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Chemiker der Natur

Als Carl von Linné 1758 der Honigbiene ihren wissenschaftlichen Namen Apis mellifera gab, hatte er keine genaue Vorstellung, was sich hinter den Kulissen abspielt. Der Name bedeutet wörtlich „honigtragende Biene“ und suggeriert, dass die Bienen Honig direkt von den Blumen wegtragen. Peinlich berührt, versuchte er in einer späteren Ausgabe den Namen in „honigproduzierende Biene“ zu ändern, aber bis dahin hatte sich der Name bereits durchgesetzt.

 

Glücklicherweise sind Bienen heutzutage für ihre Rolle als Chemiker der Natur bekannt.

„Mir ist nichts Vergleichbares in der Tierwelt bekannt“, sagt Jonathan Powell, Verwalter von The Natural Beekeeping Trust. „Ihr Effekt auf die Natur ist immens, da sie nicht nur die Pflanzen beeinflussen, sondern auch die Pflanzenfresser und die Insekten, die sich der gleichen Nahrungsquellen bedienen. Sie sind direkt im Herzen der Natur – sie sind die Bauern, die auf direkte oder indirekte Art Nahrung für alle Spezies bereitstellen. Wir sollten dieses Geschenk besser respektieren und sorgfältiger darauf achten, wie Honig hergestellt wird.“

Darüber weiß Mike Madgwick, Imker aus Dorset, der sich um 25 Bienenstöcke kümmert, eine ganze Menge. Er erklärt: „Honig ist grundsätzlich eine übersättigte Lösung von Einfachzucker - Fruktose und Glukose. Bienen lagern Nektar in einem Honigmagen, ein speziell angepasster Bereich ihres Darmes, in dem sie den Nektar zurück zum Bienenstock bringen können. Eine Honigbiene kann eine beachtliche Menge an Nektar im Vergleich zu ihrem eigenen Körpergewicht transportieren.“

„Wenn sie wieder mit dem Rest der Kolonie vereint ist, würgt die Biene den Nektar für die anderen Bienen wieder hoch, deren spezielle Funktion es ist, den Honig herzustellen. Durch den wiederholten Prozess des Hochwürgens zwischen Bienen in der Kolonie wird der Nektar nach und nach von einem Wassergehalt von 70-80% zu einem Wassergehalt von unter 20% konzentriert. Dieser super-konzentrierte Nektar (mit einigen chemischen Veränderungen, da die Zuckermischung verändert wird) ist Honig.“

Nektar in Honig zu verwandeln ist eine heikle Angelegenheit, sie verlangt akribische Liebe zum Detail. Während der Nektar konzentriert wird, werden Enzyme und genaue Mengen an antioxidativen Stoffen aus den Bienenmägen zu der Lösung hinzugefügt. Erst wenn der Nektar super-konzentriert ist, wird er zu den Wänden des Bienenstocks zur Lagerung hinzugefügt. „Die Konzentration ist wichtig, denn wenn sie mehr als etwa 20% Wasser enthält, dann besteht das Risiko, dass der Honig fermentiert und dann wäre er als Nahrung für die Bienen nutzlos“, sagt Mike Madgwick.

„Nur sehr wenige Bakterien und Mikroorganismen können in Honig überleben”, erklärt Diane Roberts, die Sprecherin der British Beekeepers Association. „Er ist außerdem sauer mit einem pH-Wert zwischen 3 und 4,5, was hilft, Bakterien- und Pilzwachstum einzudämmen.”

„Unsere Interaktionen mit der Honigbiene müssen nicht so komplex sein, wie sie sind.“

Verantwortungsvolle Imkerei auf der ganzen Welt

Die natürlich selbstkonservierenden und antimikrobiellen Eigenschaften von Honig haben ihn durch die Menschheitsgeschichte hindurch zu einem reichhaltigen, wertvollen Inhaltsstoff gemacht. Höhlenmalereien aus dem alten Ägypten von etwa 2.400 v. Chr. zeigen Szenen der Imkerei, die den heutigen Methoden so ähnlich sind, dass Eva Crane in ihrem Buch The Archaeology of Beekeeping (1984) festhält: „Es hat sich tatsächlich, auch in 4.400 Jahren, kaum etwas geändert.“

Und, obwohl sich die Technik seit den alten Ägyptern nur wenig geändert hat, so ist doch der Bedarf an dieser goldenen Leckerei beachtlich gestiegen. Honig gilt als fester Bestandteil in jeder Vorratskammer rund um die Welt, aber in Anbetracht ihrer kostbaren Natur muss sichergestellt werden, dass Imker als Hüter der Bienen agieren statt nur als Produzenten von Honig.

Wild auf Honig

Wenn du tief in die grünen, unberührten Wälder eindringst, die ungefähr 60% von Sambia ausmachen, dann hörst du das emsige Summen dieser wilden Insekten über die ganze Landschaft verteilt. Wilde Imkerei ist eine beliebte Einkommensquelle für die ansässigen Gemeinschaften und die Bewohner agieren als „Ordner“ für die Umwelt der Bienen, anstatt Pestizide oder Herbizide zu verwenden.

„Sie haben ein hohes Level an Expertise und einen großen Respekt gegenüber den Bienen, und die Imkerei ist eine Fähigkeit, die von Generation zu Generation weitergegeben wird. Die Eltern lehren die Kinder schon in jungen Jahren in der Kunst der Imkerei um sicherzugehen, dass die Kinder keine Angst vor den Bienen haben und weil es, auch wenn sie später einem anderen Beruf nachgehen, eine geachtete Fähigkeit ist, die ihnen ein zusätzliches Einkommen verschaffen kann“, erklärt Lush-Rohstoff-Einkäuferin Gabbi Loedolff.

Wilde Imker machen traditionelle, handgemachte Bienenstöcke aus Baumrinde mit einer Technik, die über Generationen weitergegeben wurde. Ein Baum kann zwischen 15 und 20 Bienenstöcke beherbergen, die den Bienen für etwa 10 Jahre ein Zuhause bieten und die Umwelt nur minimal beeinflussen. Um den Honig einzusammeln, klettern die Imker die Bäume hinauf – normalerweise ohne jegliche Schutzausrüstung – um den hohlen Zylinder aus Baumrinde herauszuholen und die reichhaltigen Honigwaben herauszunehmen. Es ist eine große Herausforderung, vor allem, wenn man die Präferenz der Bienen für hoch gelegene Stöcke in Betracht zieht.

Britische Imkerei – zurück zu den Wurzeln

Die Imkerei in Sambia ist im Vergleich zur verbreiteten kommerziellen Produktion eine unerschrockene Art, Honig zu gewinnen, doch ähnliche, bahnbrechende Techniken entstehen auch weniger weit weg. Philip Chandler, ein Imker aus Devon, hat bereits vor Jahren einen „Zurück zu den Wurzeln“-Ansatz gewählt, mit dem er auch helfen möchte, den Bienen-Bestand zu erhöhen: „Ich habe mit konventioneller Ausstattung begonnen und mich sehr schnell gefragt, wozu all die komplexe Ausrüstung nötig ist, wenn es sich doch um eine grundsätzlich sehr einfache Tätigkeit handelt. Unsere Interaktionen mit der Honigbiene müssen nicht so komplex sein, wie sie sind.“

Phil ergänzt seine Deckenkappen-Bienenstöcke – einfache Designs, die den Bienen mehr Freiheit gewähren, wie sie ihre Waben bilden – mit Aufzucht-Techniken, die den Bienen helfen, heimische Krankheiten zu bekämpfen oder, wie er es bezeichnet: „ihre eigenen Probleme zu lösen“. So hat er zum Beispiel gerade 3 Königinnen von der University of Sussex gekauft, da diese Bienen eine besondere Fähigkeit haben: „Die Königinnen können Varroamilben in den Zellen aufspüren und die Arbeiterbienen können diese daraufhin hinauszerren. Sie sind außerdem sehr krankheitsresistent und diese bestimmten Züge möchte ich gerne in meine Bienen hineinzüchten.“

Außerdem sagt Phil, dass sich die Zahl der Bienen verbessert hat – wenn auch noch nicht so weit, dass man sich keine Sorgen mehr machen müsste. „Honigbienen haben Probleme, aber diese Probleme haben wir zum Großteil selber zu verantworten; die Varroamilben, die sich mit der Imkerei-Industrie und der Gefahr der chemischen Landwirtschaft über die ganze Welt verbreitet haben.“

„Der Bienenbestand in Großbritannien ist direkt proportional zu der Zahl der Imker, die in den letzten fünf, sechs Jahren gestiegen ist, und stärkt sie somit im Vergleich zu anderen Bienenarten wie der Hummel oder den Wildbienen, die für sich selber kämpfen müssen und womöglich stärker gefährdet sind.“

Und wenn man sich der Bedeutung der Bienen für die Natur bewusst ist, dann sollten wir unsere Verantwortung, Lebensräume und wilde Bienenstöcke zu schaffen und sie zu schützen, nicht auf die leichte Schulter nehmen.

 

Nimm an der Diskussion teil:

http://www.naturalbeekeepingtrust.org/

http://www.biobees.com/

http://www.bbka.org.uk/

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