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Der Lush Prize 2018: Wir kämpfen gegen Tierversuche

Der Lush Prize 2018 wurde in Berlin vergeben, die Gewinner_innen stehen fest. Der Kampf gegen Tierversuche geht weiter. Wer sind die Preisträger_innen?

Was haben die Technologie der „blinzelnden Augen“, Silikon-Chips und eine Veränderung von Wissenschaftsunterricht in Brasilien gemeinsam? Sie alle sind drei von vielen Projekten, die den Lush Prize 2018 gewonnen haben. Mit ihm ehren wir sie und belohnen ihre fortschrittliche Arbeit und Forschung im Kampf gegen Tierversuche bei Produkttests.

Der Lush Prize wird gemeinsam von Lush und der Ethical Consumer Research Association verliehen. Gemeinsam unterstützen wir so Projekte, die in unterschiedlichen Bereichen daran arbeiten, das Zeitalter der Tierversuche zu beenden. Der Preis wird seit 2012 verliehen und ist mit Preisgeldern von insgesamt 350.000 britischen Pfund (etwa 400.000 Euro) pro Jahr dotiert. 2018 fanden die Konferenz und Preisverleihung in Berlin statt.

Der diesjährigen Lush Prize in der Kategorie Wissenschaft sorgte für besonderes Aufsehen. Dan Dongeun Huh, koreanisch-amerikanischer Professor der BIOLines Research Group der Universität Pennsylvania entwickelte ein „blinzelndes menschliches Auge auf einem Chip“. Diese Technologie könnte einen riesigen Einfluss darauf haben, wie wir Produkte oder Inhaltsstoffe in Bezug auf Reizung der Augen testen. Er könnte die für diese Tests häufig eingesetzten Hasen komplett ersetzen. Das von Huh entwickelte Auge auf einem Chip besteht aus menschlichen Zellen und verfügt über Tränendrüsen und ein Augenlid, welches blinzelt und Reaktionen auf Fremdkörper zeigt, die denen von menschlichen oder tierischen Augen entsprechen.

Rob Harrison, Direktor des Lush Prize, sagt dazu: „In den vergangenen fünf Jahren gab es ein stetig wachsendes Interesse an den Organ-auf-einem-Chip Modellen. Sie können in der Wissenschaft Tierversuche ersetzen. Das blinzelnde Auge auf einem Chip von Professor Huh hat die Jury fasziniert.“

„Dieses Auge und weitere menschliche Organe auf einem Chip verschaffen uns eine ziemlich genaue Vorstellung davon, wie Technologien in Zukunft Tierversuche komplett ersetzen könnten.“

Der Preis für politische Einflussnahme ging dieses Jahr an das brasilianische Netzwerk für Bildung im Bereich Menschlichkeit (RedEH). Gemeinsam mit dem gleichnamigen internationalen Netzwerk arbeitet es daran, die wissenschaftliche Bildung in Brasilien zu verändern. Der Plan ist, dass sich das auch auf die Wissenschaft an sich auswirkt. Die beiden Organisationen überzeugten die brasilianische Regierung davon, brutale Tierversuche aus den Klassenzimmern zu verbannen. Das Verbot wird 2019 umgesetzt.

Der Preis in der Kategorie Öffentlichkeitsarbeit ging an das US-amerikanischen White Coat Waste Project (WCW). Es feiert mit seinem Projekt große Erfolge im Kampf gegen Tierversuche in den USA.

Das WCW erklärt: „Keine andere Regierung der Welt unterstützt Tierversuche finanziell so stark wie die der USA. Die Steuerzahler_innen sollten nicht dazu gezwungen werden, sich an diesen brutalen und verschwenderischen Testmethoden beteiligen zu müssen.“

Ein Erfolg des WCW war es, ein Dekret in Virginia zu verabschieden, welches die Verwendung von Steuergeldern verbietet, um Experimente mit „maximalem Schmerz“ an Katzen und Hunden zu finanzieren. Außerdem ist es dank des WCW nicht länger erlaubt, Babyaffen für Nikotintests der nationalen Food And Drug Administration (FDA) zu verwenden.

Nicht nur neue Technologien sind wichtig, ein Ende von Tierversuchen erfordert auch das richtige Training von Wissenschaftler_innen im Umgang mit diesen. Daher ging der diesjährige Preis der Kategorie Training auch an das „Laboratory of Education and Research in Pharmacology and Cellular Technology“ (Labor zur Ausbildung und Forschung in den Bereichen Pharmakologie und Zelltechnologie). Das Team bildet unter anderem Forscher_innen in südamerikanischen Unternehmen, Universitäten und Regulierungsbehörden aus. Außerdem informiert es Studierende aller Abschlüsse rund um Technologien, die Alternativen zu Tierversuchen darstellen.

Außerdem unterstützen wir die nächste Generation Wissenschaftler_innen dabei, eine Zukunft ohne Tierversuche zu ermöglichen. Darum vergeben wir Preise in der Kategorie Junge Forscher_innen. Einer der Preisträger ist Nikolas Gaio aus den Niederlanden, der daran forscht, Tierversuche durch Versuche mit Silikonchips zu ersetzen.

Ron Harrison sagt, man habe nach der Gründung des Lush Prize schnell gemerkt, dass es nicht bloß eine Lösung für das Ende von Tierversuchen gebe.

Ron: „Es gibt fünf verschiedene Wege, Tierversuche zu bekämpfen. Nur zusammen können sie erfolgreich sein. Darum verleihen wir auch fünf Preise, die genau diese Wege belohnen.“

Außerdem bringt der Lush Prize Menschen aus diesen fünf Kategorien zusammen, damit ein Austausch unter ihnen stattfindet. Die Kategorien lauten: Politische Einflussnahme, Wissenschaft, Training, Öffentlichkeitsarbeiter und Junge Forscher_innen.

Die Preisträger_innen 2018 auf einen Blick

Politische Einflussnahme

Professorin Rita de Cássia vom Brasilianischen Netzwerk für Bildung im Bereich Menschlichkeit (RedEH)

Politische Einflussnahme (besondere Erwähnung ohne Preisgeld)

Dr. Jeoung Ae Han, Abgeordnete des südkoreanischen Parlaments

Öffentlichkeitsarbeit

Das White Coat Waste Project

Wissenschaft

Professor Dan Dongeun Huh, The BIOLines Research Group, Universität Pennsylvania

Training

Dr. Marize Valadares, Laboratory of Education and Research in Pharmacology and Cellular Technology (Labor zur Ausbildung und Forschung in den Bereichen Pharmakologie und Zelltechnologie)

Junge Forscher_innen – Amerika

Dr. Pilar de la Puente, Sanford Research

Dr. Natalia Sizochenko, College Dartmouth

Sasan Jalili Firoozinezhad, Wyss Institut der Universität Harvard

Dr. Vinicius Alves, Universität von North Carolina at Chapel Hill

Lorena Neves, katholische Universität von Petrópolis

Junge Forscher_innen - Asien

Dr. Guan-Yu Chen, Institut für biochemische Ingenieurswissenschaften, nationale Chiao Tung Universität

Kota Toshimoto, RIKEN

Dr. Jiangwa Xing, Universität Qinghai

Junge Forscher_innen – Rest der Welt

Nikolas Gaio, technische Universität von Delft

Aline Chary, LIST

Dr. Alessandro Polini, Universität von Salento / CNR Nanotec

Dr. Daniel Urbisch, BASF SE

Alexandra Damerau, Charité Universitätsmedizin Berlin

Erfahre mehr über den Kampf gegen Tierversuche und ob ein Ende in Sicht ist.

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