Gratis Versand innerhalb Deutschlands ab 50€ | Neu dabei: Lush E-Gutschein!

ARTIKEL

Kann Palmöl jemals nachhaltig sein?

Dieser Frage sind beim Lush Summit 2018 Expert_innen nachgegangen. Denn noch immer verschwindet Regenwald für Ölpalmen. Erfahre, wie die Debatte verlief.

Die Abholzung von Urwäldern wegen Ölpalmen-Plantagen ist dramatisch, denn die globale Produktion von Palmöl hat sich zwischen 2002 und 2018 mehr als verdoppelt. Kein Wunder, dass es eine hitzige Debatte rund um den Konsum von Palmöl gibt. Wir nutzten die Gelegenheit und luden auf dem Lush Summit 2018 diverse Expert_innen ein, um mit ihnen in einer Diskussionsrunde über Palmöl zu sprechen. Es ging vor allem darum, wie die Zukunft rund um Palmöl aussieht, ob es möglich ist, es nachhaltig zu produzieren, oder ob nachhaltiges Palmöl schlichtweg ein Oxymoron darstellt. Eins wurde jedenfalls klar – die Problematik rund um Ölpalmen ist wahnsinnig komplex, es gibt keine einfache Lösung. Mehr dazu schreibt Lush Times Redakteurin Katie Dancey-Downs, deren Text wir übersetzt haben:

Ein junges Mädchen schaut dem Betrachter des alten Fotos in die Augen. Es ist sechs Jahre alt und gehört zu den Orang Rimba – nomadisch lebenden Menschen auf Sumatra, deren gesamte Existenz vom Urwald abhängt. Dieses Foto hat den britischen Naturalisten und TV-Moderatoren Chris Packham seitdem er es vor 20 Jahren sah, immer wieder heimgesucht. Damals besuchte er erstmalig die Orang Rimba. Für Chris repräsentiert dieses kleine Mädchen den Status unserer Erde, daher will er es unbedingt wiederfinden. Lebt es überhaupt noch? Wenn ja, lebt die inzwischen junge Frau in Frieden mit dem Urwald auf Sumatra, oder hat die Palmölindustrie sie und die Orang Rimba beinahe um ihre Existenz gebracht?

Inzwischen hat Chris die Antwort gefunden, denn er kehrte zurück von seinen Dreharbeiten zu „In Search of the Lost Girl“, die er auf Sumatra durchführte. Der Film deckt die unbequemen Wahrheiten rund um die Palmölindustrie auf, die einen solch dramatischen Einfluss auf die Orang Rimba (aber nicht nur auf sie) hat. Und er zeigt, dass die gesamte Welt die Verantwortung dafür trägt.

Kurz nach seiner Rückkehr besuchte uns Chris auf dem Lush Summit 2018. Dort nahm er gemeinsam mit anderen Expert_innen der Nachhaltigkeit, Unternehmer_innen und Aktivist_innen auf der Bühne an der großen Palmöl-Debatte teil.

Palmöl ist fast überall drin – in Keksen gleichermaßen wie in Shampoo. Hinter dem weltweit am häufigsten konsumierten Pflanzenöl verbirgt sich eine Geschichte voller Leid für wilde Tiere, Menschen und die Umwelt.

Den Besucher_innen vom Leuser Ökosystem auf Sumatra offenbaren sich zwei Wälder. Der eine ist dicht bewachsen mit dort einheimischen Pflanzen, eine wundervolle Mischung an Rufen von wilden Tieren ist zu vernehmen. Der zweite Wald ist nichts weiter als eine Plantage, in der die Palmen in Reih und Glied stehen. Hier gibt es keinerlei Anzeichen wilder Tiere. Es ist eine Art Geisterstadt. Sumatra ist der einzige Ort auf der Welt, an dem Orang-Utans, Nashörner, Elefanten und Tiger koexistieren, aber sie werden von dort verdrängt, denn die Plantagen wuchern immer stärker in den Urwald hinein. Diese Monokulturen sind eine feindliche Umgebung für wilde Tiere und zerstören die empfindliche Balance eines ganzen Ökosystems.

Panut Hadisiswoyo kennt die Effekte von Ölpalmenplantagen aus erster Hand. Durch seine Arbeit im Orangutan Information Centre (OIC) auf Sumatra will er die Probleme angehen, die für Orang-Utans entstehen. Er sagt, das größte aller Probleme sei die Abholzung der Wälder.

„Das Problem ist das Wachstum der Plantagen, welches nie aufhört. Viele Wälder mussten Monokulturen weichen. Während ich das hier erzähle, werden Bäume abgeholzt und der Wald schrumpft“, erzählt Panut auf dem Summit.

Können wir Zertifikaten vertrauen?

Ganz weit oben auf der Agenda der Panel-Diskussion stand die Frage nach Zertifikaten. Kann Palmöl wirklich nachhaltig sein? Wenn angegeben wird, es sei nachhaltig produziert, wie können Unternehmen und Kund_innen sichergehen, dass das stimmt?

Ebenfalls vertreten auf dem Panel war Danielle Morley vom Round Table on Sustainable Palm Oil (RSPO), welcher das weltweite Standard-Zertifikat für nachhaltiges Palmöl vergibt.

Sie erklärte, dass der RSPO einige Prinzipien und Kriterien besitzt, nach denen bestimmt wird, ob Palmöl nachhaltig ist, oder nicht. Momentan untersucht der RSPO, inwieweit das Ziel „keinerlei Abholzung“ umsetzbar ist.

Danielle: „Unsere Vision ist es, die Märkte so zu verändern, dass nachhaltiges Palmöl die Norm darstellt.“

Danielle meint außerdem, dass Organisationen wie der RSPO nicht nur Zertifikate vergeben, sondern auch wertvolle Plattformen für Umwelt-Engagement darstellten.

Fiona Wheatley, zuständig für nachhaltige Entwicklung bei der britischen Marke Marks and Spencer, repräsentiert die Seite der Unternehmen beim RSPO. Sie stimmt zu, dass der RSPO einen wichtigen Raum für Diskussionen liefert, die zu spürbaren Veränderungen führen können. Trotz allem hat sie ein Problem mit dem Begriff Nachhaltigkeit, da er ihr zu absolut ist. Stattdessen wünscht sie sich fortwährende Entwicklung und Anpassung.

Fiona erinnert uns an etwas Wichtiges: wir brauchen die Natur, um als Spezies überleben zu können. Natur, Gemeinschaften und Menschen müssen im Zentrum aller Entscheidungen stehen, kontinuierliche Verbesserungen sind unabdingbar. Dies, so sagt sie, sei viel wichtiger als simple Listen, die man abhakt, um als nachhaltig zu gelten.

Sollten wir den palmölfreien Weg gehen?

In den Regalen der Supermärkte enthalten unzählige Produkte Palmöl. Es ist billig und vielseitig, wodurch es das am meisten genutzte Pflanzenöl ist. Kein Wunder also, dass es von der Nahrungsmittel- und Kosmetikindustrie exzessiv eingesetzt wird.

Auch wenn einige Unternehmen sich dazu entscheiden, gänzlich auf Palmöl zu verzichten, wird es noch lange dauern, bis es komplett aus den Massenprodukten verschwindet. Was können also Unternehmen und Konsument_innen tun, wenn sie nicht Teil der Abholzung von Regenwäldern sein wollen?

„Es hängt wirklich von den Werten und Grundsätzen der einzelnen Unternehmen ab“, sagt Fiona Wheatley und fügt hinzu, dass sie beobachte, wie zahlreiche Unternehmen sich auf die Probleme rund um Palmöl konzentrieren, anstatt es komplett aus den Produkten zu verbannen.

„Dieses Thema hat einen hohen Stellenwert in den Regierungen der Länder, die das Palmöl produzieren – und steht ganz oben auf der Agenda der Industrie. Ohne all das würden die Unternehmen weiter machen wie bisher und wir hätten noch mehr Wald verloren, als ohnehin schon. Die Produktion wäre weitaus weniger nachhaltig, als sie es jetzt ist“, sagt sie.

Sie macht klar, dass alle ob der Langsamkeit der Veränderungen frustriert sind. Der Weg ist weiterhin lang, ökologische und biologische Ziele können nur erreicht werden, wenn alle zusammenarbeiten.

Lush Chef-Einkäufer Simon Constantine hat die letzten zehn Jahre damit verbracht, die Probleme rund um Palmöl zu bekämpfen und sah mit eigenen Augen die furchtbaren Zustände auf Sumatra. Er sagt: „Wenn Ölpalmen im richtigen Ökosystem wachsen und das richtige Verhältnis zu den anderen Pflanzen in der Umgebung und den Menschen haben, sind sie großartig. Doch ein Beispiel dessen habe ich noch nie gesehen.“

Die richtigen Zutaten aus den richtigen Regionen zu beziehen ist seiner Meinung nach der richtige Weg.

Für Panut Hadisiswoyo vom OIC liegt das Problem in der Art der Kultivierung von Palmöl. Er ist der Meinung, dass es auf Sumatra keinen Platz mehr gibt, die Ölpalmen-Plantagen zu vergrößern.

Andererseits hat Palmöl einen großen Anteil am wirtschaftlichen Wachstum von Indonesien, weswegen laut Panut die Jugend ihre Zukunft in dieser Industrie sehe. Doch er glaubt, dass Permakultur eine alternative Zukunft bieten könne und Kleinbauern die Gelegenheit gebe, mehr Einkommen durch ihr Land zu generieren.

„Wir müssen ländlichen Gemeinschaften eine Möglichkeit bieten, das Leben zu verbessern, ohne sich dabei auf Monokulturen zu verlassen – ohne sich dabei auf Palmöl zu verlassen“, warnt Panut. „Wir alle sind verantwortlich dafür und müssen aktiv werden, nicht nur darüber reden und reden und reden.“

Wo geht der Weg von hier aus hin?

Chris Packham ist sich einer Sache sehr sicher: Ölpalmen-Monokulturen sind nur ein Symptom eines weitaus größeren Problems – wir alle konsumieren viel zu viel. Er möchte Forschungen sehen, die untersuchen, auf welche Art wir als Spezies den Planeten verändern. Die Zeit zu handeln ist gekommen.

„Es kann keine Entschuldigung sein, dass uns alles zu kompliziert erscheint. Wenn es Dinge gibt, die unbedingt erledigt werden müssen, dann vergiss das Komplizierte, leg einfach los und erledige es. Es gibt nicht mehr genug Wald, also hören wir damit auf, noch mehr abzuholzen. Wenn es gar keine Wälder mehr gibt, gibt es auch keine Hoffnung mehr für uns“, sagt er.

Chris teilte auf dem Summit dem Publikum auch mit, dass er seit seiner Rückkehr aus Sumatra versucht, auf Palmöl zu verzichten. Und scheitert. Denn Palmöl ist einfach überall.

Das Beispiel von Chris zeigt, dass der Verzicht auf Palmöl leichter gesagt, als getan ist. Einige der Teilnehmer_innen des Panels sagten sogar, dass wir als Konsument_innen keine bedeutende Auswirkung auf die Palmölindustrie haben, wenn wir darauf einfach nur verzichten.

Stattdessen ist Helen Buckland von der Sumatran Orangutan Society davon überzeugt, dass wir auf konstruktive Art aktiv werden müssen, um die bedrohten Wälder auf der ganzen Welt zu schützen.

„Es gibt viel, was man tun kann und jede Stimme zählt“, stellt sie klar.

Helen hat einen Rat: wir sollen Unternehmen schreiben und so Druck aufbauen. Wir sollen Organisationen finden, an die wir glauben, und ihrem Beispiel folgen.

Gerade bei Palmöl gibt es keinen Masterplan, der alle Probleme löst. Zwar herrscht im Panel keine Einigkeit darüber, wie man die Probleme am besten angeht, jedoch sind alle der Meinung, dass die Macht der Gemeinschaft immer ein guter Antrieb für wirkliche Veränderungen ist.

Doch was ist mit dem kleinen Mädchen der Orang Rimba, dessen Foto Chris immerzu bei sich trägt? Ist sie eine erwachsene Frau, die immer noch glücklich im Wald lebt, in dem schon ihre Vorfahr_innen geboren wurden? Chris hat eine Antwort auf seine Fragen gefunden, aber die Antwort hat ihn noch wütender auf die Palmölindustrie gemacht.

Schaue dir das komplette Panel auf unserem Lush Player an.

Kommentare (0)
0 Kommentare