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ARTIKEL

Kreativität mit ätherischen Ölen: Geruchsarchivarin Kate McLean

Geschichte. Bücher, mündliche Überlieferungen, Poesie, Kunst, Fotografien und Audiodokumente – sie alle machen die Vergangenheit erlebbar. Aber kannst du über den Geruch etwas von der Geschichte eines Ortes erfahren? Kate McLean beantwortet diese Frage mit einem Ja. Sie designt Gegenstände und Programme, die mit mehreren Sinnen erfahrbar sind, ist Dozentin an der Canterbury Christ Church University und außerdem Geruchsarchivarin. 

Kate erstellt Landkarten, wie du sie noch nie zuvor gesehen hast. Diese Karten basieren auf den unterschiedlichen Gerüchen und Aromen, die bestimmte Gegenden ausmachen. Sei es der Geruch nach Hering auf einem Fischmarkt in Amsterdam, oder die frische Seeluft in Whitstable, Kate glaubt, dass wir einiges über Orte anhand ihrer Gerüche erfahren können.

Sie erklärt: „Es gibt so viele unterschiedliche Gerüche, die sich in den Städten der Welt zu einem Schnappschuss kombinieren, sie definieren einen Ort und machen ihn einzigartig.“

Kate McLean Smell map Singapore

Um diese Schnappschüsse zu speichern und ihre Geruchskarten herzustellen, organisiert Kate Geruchsspaziergänge in den Städten. An diesen nehmen zehn bis zu 200 Bewohner der Städte teil. Ziel ist es, ihre Heimat mit ihren Nasen zu erkunden, was wohl noch keiner von ihnen zuvor gemacht hat. Die Spaziergänge ermöglichen es den Teilnehmern, die Städte und Orte, in denen sie leben, auf eine völlig neue Weise zu betrachten. Dazu schreiben sie Notizen zu all den Gerüchen, die ihnen begegnen.

Aus den gesammelten Informationen und persönlichen Geruchsdaten jedes Teilnehmers kreiert Kate eine Duftkarte. Mit dieser fängt sie die speziellen Gerüche der Gegenden zu der jeweiligen Tages- oder Jahreszeit ein. Bei Kates Karten stehen nicht die Verursacher der Gerüche im Vordergrund, sondern die Aura und Stimmung, die diese in ihrer Umwelt erzeugen.

Kate sagt: „Physiologisch und genetisch bedingt ist es nahezu ausgeschlossen, dass wir Gerüche auf exakt die gleiche Weise erleben, wie unsere Mitmenschen. Das liegt an unseren genetischen Prädispositionen. Bei meiner Arbeit geht es mir darum, die Gerüche nicht auf einzelne Moleküle herunterzubrechen und diese wissenschaftlich zu betrachten. Ich möchte viel lieber die Erlebnisse der Menschen in den Vordergrund stellen und auf welche Art sie die Duftlandkarten bei den Spaziergängen empfanden.“

Kate verdeutlicht dies mittels eines Geruchseindruckes, der mehrere Male bei einem ausgiebigen Geruchsspaziergang in Singapur notiert wurde. Der Geruch wurde beschrieben als „hartes Leben“, er umfasste zahlreiche unterschiedliche Gerüche, die sich zu dieser sehr eindeutigen Wahrnehmung kombinierten.

Kate weiter: „Die Sprache, die ich für meine Geruchskarten verwende, ist absichtlich sehr vielseitig und offen gewählt. Sie hängt von den Leuten ab, die an den Geruchsspaziergängen teilgenommen haben. So kann es vorkommen, dass die Sprache sehr beschreibend und ausgeschmückt ist und eine Vielzahl an Gerüchen abdeckt.“

„Ich lege Wert darauf, dass die Teilnehmer der Spaziergänge wirklich in den Orten wohnen, denn sie kennen ihre Umgebung und können daher viel besser beschreiben, was sie riechen. Ich bin die Archivarin und Sammlerin dieser Gerüche. Meine Aufgabe ist es, diese den Menschen, die nicht in den Städten wohnen, zu vermitteln.“

Wie Menschen einen Geruch definieren, kann sehr unterschiedlich sein. Kate gelingt es, diese Gerüche und ihre Definitionen in die Gegebenheiten der Städte einzuarbeiten. So erschafft sie einen tiefgreifenden Einblick, wie die Menschen auf den Spaziergängen die Gerüche wahrnehmen. Dazu zählt auch, welche Gerüche sie ignorieren, auf welche sie besonderen Wert legen, welche im Hintergrund oder omnipräsent sind.

Kate sortiert diese Gerüche dann in Gruppen und ordnet diesen Farben zu. In Singapur etwa war der Geruch nach Curry orange, Shisha = flieder, Salz und Meerwasser = blau, Jasmin = gelb, Blumen und Parfüm = pink, scharfe und würzige Gerüche = orange, Feuchtigkeit = grau. Diese Gerüche legt sie dann auf die Karten der Städte. Dabei berücksichtigt sie Windrichtung, örtliche Geschäfte und Aktivitäten, sowie die Stärke der Gerüche. So entsteht eine Geruchslandkarte der ganzen Stadt.

Ein weiteres interessantes Beispiel ist Amsterdam, denn dieser Stadt würdest du wohl einen ganz bestimmten Geruch zuordnen…

„Die Leute erwarten, dass Amsterdam nach Cannabis riecht. Cannabis hat einen sehr starken Geruch, dieser tritt jedoch nur in einzelnen Nachbarschaften auf und wurde nicht in die Geruchslandkarte der Stadt aufgenommen.“

„Stattdessen vernahm man in Amsterdam im Frühling 2013 vor allem den warmen, zuckrigen Geruch von Waffeln. Orientalische Gewürze strömten aus asiatischen oder surinamischen Restaurants und Supermärkten. Eingelegter Hering umgab die Fischmärkte und –stände. All das gab Hinweise auf die historischen Hauptgeschäftsgebiete der Stadt. Weitere Gerüche waren der nach alten Büchern in Kellern oder der Duft nach frischer Wäsche, der aus den vielen kleinen Hotels der Stadt drang.“

Mit ihrer Arbeit gelang es Kate, einen Schnappschuss einer vergänglichen Episode von Amsterdam zu speichern. Sie dokumentierte die Stimmung, die Geschäfte, Trends und Aktivitäten der niederländischen Hauptstadt zu Beginn des 21. Jahrhunderts. Geruchslandkarten sind also ideal dazu geeignet, einen sich ständig ändernden, episodischen Sinn für die Ewigkeit einzufangen.

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