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ARTIKEL

Lush Prize 2016: die deutschen Nominierten

Im Kampf gegen Tierversuche ist es wichtig, voranzuschreiten und all jene zu unterstützen, die sich für tierversuchsfreie, alternative Testmethoden einsetzen.

Darum haben wir den Lush Prize ins Leben gerufen, der 2016 bereits zum fünften Mal verliehen wird und mit insgesamt 250.000 Pfund die Menschen fördert, die mit ihrer Forschung und ihrem Einsatz einen wichtigen Beitrag im Kampf gegen Tierversuche leisten.

Ganz besonders freuen wir uns darüber, dass auch drei Forscherinnen und Forscher aus Deutschland unter den Nominierten sind. Wir haben mit Giorgia Pallocca, Antje Appelt-Menzel und Prof. Dr. Marcel Leist über ihre Forschung und Motivation gesprochen.

 

Giorgia Pallocca

Giorgia Pallocca (30) ist eine junge Forscherin, die derzeit ihre Doktorarbeit an der Universität Konstanz absolviert. Sie forscht seit 2011 an alternativen Testmethoden. Bevor sie in Konstanz anfing, war sie für ein Jahr im Traineeprogramm des European Reference Laboratory for alternatives to animal testing (EURL-ECVAM) in Italien.

 

Welche persönliche Motivation hast du bei der Suche nach tierversuchsfreien Testmethoden? Gab es ein Schlüsselerlebnis?

Ich habe mich bereits zu Beginn meines Bachelorstudiums für den Forschungszweig nach alternativen Testmethoden entschieden. Dabei spielten vor allem emotionale und ethische Gründe eine Rolle, denn wir waren verpflichtet, bei Tierversuchen zuzuschauen. Mir war sofort bewusst, dass ich solche Methoden nicht in meiner eigenen Forschung nutzen will. Daraufhin habe ich mich persönlich und unabhängig zu alternativen Testmethoden weitergebildet und dabei einen größeren Fokus auf wissenschaftliche Aspekte gelegt.

Wie sieht das Team aus, in dem du forschst?

Ich bin Doktorandin in einer größeren, interdisziplinären Gruppe rund um Prof. Dr. Marcel Leist. Wir forschen an Alternativen zu Tierversuchen im Bereich der Neurologie und Toxikologie. Hier geht es uns vor allem darum, herauszufinden, wie man alternative Systeme dazu nutzen kann, die Mechanismen und Wirkweisen von Toxizität von Chemikalien auf den menschlichen Körper zu verstehen.

Dabei helfen uns auch viele Nachwuchsforscher aus den Bachelor- und Masterstudiengängen. Wir leiten darüber hinaus Seminare zum Thema Tierversuche, führen dort wichtige Diskussionen und involvieren die Studierenden in unsere tägliche Laborarbeit.

Wofür möchtest du das Fördergeld verwenden, falls du gewinnst?

Da ich kurz vor Abschluss meines Studiums stehe, würde ich das Fördergeld gerne für meine Forschung nutzen. Ich möchte gerne weitere Experimente durchführen, um Fragen zu beantworten, die im Rahmen meines Forschungsprojektes noch immer unbeantwortet sind.

 

Antje Appelt-Menzel

Antje Appelt-Menzel (30) ist eine junge Forscherin, die derzeit zum Aufbau von humanen stammzellbasierten Blut-Hirn-Schranke Modellen promoviert. Zuvor hat sie in Jena Pharmabiotechnologie studiert und unter anderem als Ingenieurin am Lehrstuhl für Tissue Engineering und Regenerative Medizin der Universitätsklinik Würzburg gearbeitet.

 

Was genau beinhaltet die Forschung in deinem Tätigkeitsfeld?

Die Blut-Hirn-Schranke ist eine der dichtesten und wichtigsten Barrieren zwischen dem Blutkreislauf und dem zentralen Nervensystem (ZNS). Bei der Behandlung von neurologischen Erkrankungen, wie etwa Morbus Alzheimer, Multiple Sklerose oder Hirntumoren, müssen die eingenommenen Medikamente diese Blut-Hirn-Schranke überwinden, um an ihren Bestimmungsort im Gehirn gelangen zu können. Das gelingt ihnen meist sehr schlecht – oder gar nicht. Zur Bestimmung der Transporteigenschaften neuer Medikamente sind zahlreiche Tests notwendig, die oft an Tieren durchgeführt werden. Eine Alternative zum Aufbau von Blut-Hirn-Schranken Modellen stellt die Verwendung von humanen induziert pluripotenten Stammzellen (hiPSCs) dar. Diese Stammzellen können in alle menschlichen Körperzellen, also auch in die Zellen der Blut-Hirn-Schranke differenziert werden und können deshalb gut zur Forschung an neuen Medikamenten eingesetzt werden. Wenn die entwickelten stammzellbasierten Modelle wirklich in der präklinischen Forschung Anwendung finden, könnten somit Tierversuche reduziert oder möglicherweise komplett ersetzt werden.

Welche persönliche Motivation hast du bei der Suche nach tierversuchsfreien Testmethoden? Gab es ein Schlüsselerlebnis?

Es scheint ein kausaler Zusammenhang zwischen neurologischen Erkrankungen und Veränderungen an der Blut-Hirn-Schranke zu bestehen, der derzeit noch nicht geklärt ist. Leider gibt es bisher für eine Vielzahl dieser Krankheiten keine geeignete Therapiemöglichkeit, es werden bisher meist nur die Symptome bekämpft. Was mich ebenfalls antreibt ist die Tatsache, dass viele entwickelte Medikamente niemals auf den Markt kommen, obwohl sie zuvor an Tieren oder einfachen Zelllinien getestet wurden. Das liegt vor allem an den unzureichenden Testmethoden. Tierversuche sind oft also unnötig, da die erhaltenen Ergebnisse meist nicht die Situation im Menschen wiederspiegeln. Somit ist der Einsatz adäquater menschlicher Testsysteme zweifellos notwendig.

Wie sieht das Team aus, in dem du forschst?

Die Arbeit in einem Team ist für mich unerlässlich, da die Forschung an humanen Stammzellen sehr zeitintensiv ist. Ohne meine Doktormutter Prof. Dr. Heike Walles, meinen Fachbetreuer Dr. Marco Metzger und unser gesamtes iPS-Team wäre es mir daher nicht möglich meine Forschungsarbeit so weit voranzutreiben. Ihnen allen möchte ich hiermit für ihre Hilfe und Unterstützung danken!

Unser Team ist insgesamt sehr interdisziplinär zusammengestellt, es besteht aus Naturwissenschaftlern, Medizinern, Ingenieuren und technischem Personal, die sich gegenseitig unterstützen. Ich betreue auch immer wieder Studierende während ihrer Bachelor- und Masterarbeiten. Da wir an unserem Lehrstuhl sehr viel Wert auf die Entwicklung von Ersatzmethoden zu Tierversuchen legen, ist es unerlässlich, auch den Nachwuchs für die Thematik zu gewinnen.

Wofür soll das Fördergeld verwendet werden?

Ich würde das Fördergeld gerne dafür verwenden, mir ein kleines Team in meiner ersten Post-Doc-Zeit aufzubauen und mit Hilfe von Studenten einige Themengebiete, die mich im Rahmen meiner Forschung beschäftigen, im Detail untersuchen. Da die Materialien für unsere Forschung teuer sind, könnten wir mit dem Fördergeld langfristig nach Alternativen suchen und diese testen, um die Kosten in Zukunft eventuell reduzieren zu können. Außerdem möchte ich meine Ergebnisse der Öffentlichkeit zugänglich machen und auf internationalen Fachkongressen präsentieren.

 

Prof. Dr. Marcel Leist

Prof. Dr. Marcel Leist (52) ist ein erfahrener Wissenschaftler, der bereits seit 25 Jahren in der Forschung arbeitet, zurzeit an der Universität Konstanz. Eines seiner Projekte ist es, toxikologische Tests zu entwickeln, die auf menschlichen Zellen basieren. Seine Vision ist es, dass man durch die Kombination dieser Tests das Gefährdungspotential von Chemikalien für den Menschen vorhersagen kann. In diesem Projekt arbeitet auch Giorgia Pallocca.

 

Was genau beinhaltet die Forschung in diesem Projekt?

Für die Sicherheitsbewertung von Chemikalien ist es wichtig, dass die Tests die Effekte auf alle Körperregionen untersuchen, und nicht nur auf einzelne Organe. Manche Zielgewebe, zum Beispiel die Leber oder die Haut von Erwachsenen, lassen sich relativ leicht erforschen, bei anderen, wie zum Beispiel Nervengewebe oder bestimmte Zellen, die nur in menschlichen Föten vorkommen und die an Entwicklungsstörungen beteiligt sind, ist das unmöglich. Wir versuchen nun, die erforderlichen Zellen aus Stammzellen herzustellen und daraus Testsysteme für die neuronale Entwicklung zu etablieren.

Welche persönliche Motivation hast du bei der Suche nach tierversuchsfreien Testmethoden? Gab es ein Schlüsselerlebnis?

Meine Arbeitszeit in der Industrie hat mir gezeigt, was für eine schlechte Vorhersagekraft Tiermodelle haben, und dass es manche Medikamente nicht geben würde, wenn man sich auf die Tierdaten verlassen hätte.

Wie sieht das Team aus, in dem du forschst?

Dass Wissenschaft immer Teamarbeit ist, gilt bei mir in doppeltem Sinne. Einerseits in meinen Labors, in denen ich auf gute und begabte Mitarbeiter angewiesen bin, andererseits in nationalen und internationalen Verbundprojekten, in denen ich mit Kollegen arbeite, die mich stimulieren, mir Ideen geben, mich korrigieren können oder Expertise haben, die ich nicht habe.

Betreust du selbst Nachwuchsstudenten? Gibt es eine Maxime, die du beim Nachwuchs bezüglich Tierversuchen vertrittst?

Ja, ich betreue viele Doktoranden. Alle meine Doktoranden und Studierenden müssen sich zu Beginn folgende Frage stellen: „Warum würdest du an Tieren testen, wenn du wissen willst, wie etwas auf den Menschen wirkt?“

Wofür soll das Fördergeld verwendet werden?

Das Geld soll verwendet werden, um Bereiche anzustoßen, die mit traditioneller Förderung schwer zu bearbeiten sind, oder für die die Flexibilität fehlt. In unserem Bereich brauchen wir bessere Tests für Langzeitwirkungen und Funktionseinschränkungen, was mit in vitro Modellen bisher schwierig ist. Wir wollen Pilotexperimente starten, um neue Ideen zu testen, Experten in Workshops zu Diskussionen zusammenbringen, und Information aus anderen Feldern gewinnen und übertragen. Wichtig ist es auch, die Erfolge der Methoden möglichst vielen möglichen Anwendern vorzustellen. Dafür gibt es bisher kaum Förderung.

 

Giorgia Pallocca, Antje Appelt-Menzel und Prof. Dr. Marcel Leist forschen alle an alternativen Methoden zu Tierversuchen, die der Gesundheit des Menschen und der Bekämpfung von Krankheiten dienen sollen. Ihre jahrelange Unterstützung im Kampf gegen Tierversuche honoriert Lush mit einer Nominierung zum Lush Prize 2016.

 

Prof. Dr. Marcel Leist - Wissenschaftler

Die Geschichte von Lush Prize

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