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Nachwuchswissenschaftler – Dr. Daniel Urbisch

Der gebürtige Bielefelder Dr. Daniel Urbisch (34) ist einer der Gewinner des Lush Prize 2018. Er forscht im Bereich der Toxikologie bei BASF.

Urbisch‘s Interesse an seinem heutigen Themenfeld wurde bei einem freiwilligen Toxikologie-Crash-Kurs während seines Chemiestudiums in Bielefeld geweckt. Darauf folgte ein Umzug ins Rheinland, um an der Universität in Düsseldorf den Masterstudiengang in Toxikologie zu absolvieren. Die Doktorarbeit fertigte er von 2013 bis 2017 bei BASF in Ludwigshafen an und arbeitet weiterhin dort.

Von Beginn an war sein Schwerpunkt die Erforschung von experimentellen Alternativmethoden für den toxikologischen Endpunkt der Hautsensibilisierung. „Um Hautsensibilisierer mittels Alternativmethoden zu identifizieren, konnten wir bereits eine Teststrategie etablieren, die den Tierversuch vollständig ersetzt.“, erzählt der junge Wissenschaftler und führt aus: „Um jedoch die Wirkstärke von Hautsensibilisierern weiter erforschen zu können, bedarf es der experimentellen Testung weiterer Substanzen in Peptid-basierten Tests.“ Urbisch würde das Fördergeld für weitere Tests dieser Substanzen einsetzen.

Um das Gefahrenpotential chemischer Substanzen für den Menschen abschätzen zu können, waren Tierversuche lange Zeit unumgänglich. In den letzten Jahren etablierten sich Methoden, die beispielsweise das gentoxische, haut- oder augenreizende Potential zuverlässig und ohne den Einsatz von Versuchstieren vorhersagen. Endpunkte, denen komplexere biologische Prozesse zu Grunde liegen, können bis heute allerdings nicht in Gänze mit Alternativmethoden erfasst werden; eine Ausnahme bildet hier der toxikologische Endpunkt der Hautsensibilisierung.

Die Hautsensibilisierung liegt dem Krankheitsbild der allergischen Kontaktdermatitis zugrunde, welche die am weitesten verbreitete Form der Immuntoxizität beim Menschen darstellt. Die Symptomatik umfasst starken Juckreiz, Hautrötung und Bläschenbildung, welche durch Kontakt mit Allergenen wie Nickel (z.B. in Schmuck) oder bestimmten Duft- oder Farbstoffen (z.B. in Waschmitteln oder Kosmetika) ausgelöst werden. Um derartige Allergene zu identifizieren, wurden routinemäßig Tierversuche durchgeführt, die zum Teil auch heute noch in einigen Regionen oder für bestimmte Bereiche gefordert werden. Mittlerweile wurden jedoch Alternativmethoden entwickelt, die den Tierversuch vollständig ersetzen können.

Daniel Urbisch hat im Rahmen seiner Arbeit die Eignung ausgewählter Alternativmethoden zur Allergenidentifikation sowie deren Vor- und Nachteile umfassend analysiert. Dazu hat er einen Datensatz mit Ergebnissen experimenteller Alternativmethoden für über 200 Substanzen zusammengestellt und mit publizierten Tierversuchs- und Humandaten verglichen. So konnte eine Teststrategie aus Zell- oder Peptid-basierten Tests entwickelt werden, die Humandaten zuverlässiger vorhersagt als der Tierversuch.

Urbisch sieht die Forschung als Team-Arbeit. In seinen Anfängen waren insbesondere Dr. Robert Landsiedel und Dr. Naveed Honarvar als Mentoren maßgeblich an seinem Erfolg beteiligt. „Ohne die Kolleginnen und Kollegen wäre dieser Erfolg nicht möglich gewesen“, sagt Urbisch und dankt dem ganzen Team, das ihn tagtäglich unterstützt.

Die Ergebnisse seiner Arbeit belegen die Eignung etablierter Alternativmethoden zur Allergenidentifikation und -bewertung. Die dargestellten Ergebnisse konnten wesentlich dazu beitragen, dass die hier entwickelte Teststrategie kürzlich als Ersatz für Tierversuche in der Bewertung von Chemikalien in Europa und in den USA regulatorisch akzeptiert wurde.

Das Team der angewandten Alternativmethoden für Hautsensibilisierung besteht aus: Dr. Daniel Urbisch, Britta Wareing, Jutta Steinbrenner, Carina Oberfrank, Dr. Susanne Kolle; Juliane Hahn und Natascha Partosa

 

Der Lush Prize ist ein Gemeinschaftsprojekt von Lush Fresh Handmade Cosmetics und der wissenschaftlichen Gruppe Ethical Consumer, um den kompletten Wandel von Tierversuchen in Experimenten zu alternativen, tierversuchsfreien Forschungsmethoden voranzutreiben. Erfahre hier mehr dazu.

“Ohne die Kolleginnen und Kollegen wäre dieser Erfolg nicht möglich gewesen.”

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