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Nachwuchswissenschaftlerin – Alexandra Damerau

Sie gewann den Lush Prize 2018 in der Kategorie Junge Forscher_innen und ist Doktorandin an der Charité in Berlin. Sie beschäftigt sich mit Rheumatologie und in vitro Modellen, die langfristig Tiermodelle ersetzen sollen.

Die gebürtige Berlinerin beschäftigte sich schon während ihrer Ausbildung zur medizinisch-technischen Laboratoriumsassistentin mit der Entwicklung und Optimierung von in vitro Nachweismethoden. In vitro Forschung wird bereits als tierversuchsfreie Forschungsmethode genutzt und bezieht sich (sehr vereinfacht) auf Experimente, die in einer kontrollierten, künstlichen Umgebung außerhalb eines lebendigen Organismus durchgeführt werden, wie im Reagenzglas, ohne dass ein Tier eingesetzt werden muss. 2012 entschied sie sich für ein Studium der Biotechnologie.

Schon damals arbeitete sie in verschiedenen Forschungsgruppen unter Anwendung tierfreier Methoden. Heute ist sie an der Charité-Universitätsmedizin in Berlin in der Abteilung für Rheumatologie und klinische Immunologie tätig. Über ihr Forschungsvorhaben sagt sie: „Hierbei ist mein Ziel die Entwicklung und Etablierung eines validen in vitro 3D Arthritis-Gelenkmodells zur (…) Austestung therapeutischer Strategien, mit dem Ziel Tiermodelle zu ersetzen.”

Damerau forscht zusammen mit anderern WissenschaftlerInnen in der Arbeitsgruppe von Prof. Dr. Buttgereit an in vitro 3D Modellen. Das in vitro 3D Arthritis-Gelenkmodell stellt dabei eine valide Alternative zu den bisherigen Tiermodellen im Bereich der muskuloskelettalen Forschung dar und wird vom BMBF (Bundesministerium für Bildung und Forschung) gefördert. Damit soll eine tierversuchsfreie Zukunft vorangetrieben werden.

Da es bis dato keine adäquaten tierfreien Alternativen gibt, setzte sich die Nachwuchsforscherin als Ziel, ein human-basiertes in vitro 3D Arthritis-Gelenkmodell zu entwickeln. Dies soll die Immunpathogenese simulieren, um den Einfluss sowie die Wirksamkeit der medikamentösen Behandlung in vitro untersuchen zu können. „Das Gelenkmodell enthält alle beteiligten Gewebekomponenten und Zelltypen und ermöglicht Wechselwirkungen zwischen Zellen durch Zellkontakte, Signalmoleküle und Metabolite, was der in vivo Situation (im lebenden Organismus) entspricht. Durch die Applikation der entsprechenden Immunzellen zum in vitro Gelenkmodell, lässt sich z.B. die rheumatoide Arthritis in vitro simulieren.”, so Damerau.

Tierversuchsergebnisse auf den Menschen zu übertragen ist nicht immer verlässlich, deshalb wurden bereits in der kosmetischen Forschung Tierversuche durch weltweite Verbote ausgeschlossen. Doch in der Forschung sind sie immer noch eine übliche Praxis. „Meine persönliche Motivation besteht primär darin die Tierversuche zu ersetzen. Durch meine Erfahrung als Biotechnologin, Doktorandin und Mitglied der BB3R Graduate School habe ich erkannt, dass zwar nicht alle Forschungsfragen mit tierversuchsfreien Modellsystemen gelöst werden können aber zumindest einige.”, sagt Damerau. Ihre Forschung zielt hauptsächlich darauf ab, Tiermodelle in der Grundlagen- und Translationswissenschaft zu ersetzen. Dabei möchte die Biotechnologin aktuelle Techniken und besonders ihr Fachwissen zukunftsorientiert nutzen, um valide human-basierte in vitro 3D Modelle zu entwickeln, die als Alternative zu Tiermodellen eine verbesserte Translation auf den Menschen ermöglichen.

Damerau bestätigt: „Ich bin (…) bestrebt, alle für das Thema - Forschen ohne Tierversuche - zu sensibilisieren bzw. für den Umgang mit Alternativmethoden zu motivieren.” Seit Beginn ihrer Promotion ist sie Mitglied in der Berlin-Brandenburg Forschungsplattform BB3R. Hierbei sollen unter anderem exzellente NachwuchswissenschaftlerInnen in Alternativmethoden und tierschonenden Arbeitstechniken auf hohem Niveau qualifiziert werden. Alternativmethoden zu Tierversuchen erforschen, hat somit einen großen Stellenwert in ihrem privaten Leben als auch in ihrer wissenschaftlichen Karriere.

Damerau würde das LUSH PRIZE Fördergeld zum einen gerne zur Optimierung ihres in vitro 3D Arthritis-Gelenkmodells verwenden. Zum anderen möchte sie durch die Veröffentlichung von Proof-of-Concept-Studien ihr Wissen über geeignete tierfreie in vitro Systeme mit einer breiteren Gemeinschaft von Grundlagen- und Translationsforschern teilen.

 

Der Lush Prize ist ein Gemeinschaftsprojekt von Lush Fresh Handmade Cosmetics und der wissenschaftlichen Gruppe Ethical Consumer, um den kompletten Wandel von Tierversuchen in Experimenten zu alternativen, tierversuchsfreien Forschungsmethoden voranzutreiben. Erfahre hier mehr dazu.

„Meine persönliche Motivation besteht primär darin die Tierversuche zu ersetzen.”

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