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Plastikmüll im Ozean: Wir alle sind verantwortlich

Die Verschmutzung der Ozeane durch Plastik ist schrecklich. Doch Organisationen nehmen den Kampf auf. Lush zeigt dir: es liegt in unserer Hand.

Denn die Organisationen, die am Schutz und der Rettung der Ozeane arbeiten, machen eines deutlich: die Macht, das Problem nicht nur anzugehen, sondern auch zu lösen, liegt zu großen Teilen am Kaufverhalten und den Entscheidungen von uns allen als Kund_innen.

In Großbritannien sind seit Ende 2017 Mikroperlen in Kosmetikprodukten verboten, das Land folgte damit dem Beispiel der USA. In der EU ist ein solches Verbot derzeit noch nicht geplant, auch Österreich tut sich schwer. Zumindest werden einzelne Forderungen laut, nicht auf eine generelle Entscheidung auf europäischer Ebene zu warten, sondern ein Verbot hierzulande durchzusetzen. Doch ein Verbot dieses Mikroplastiks wäre nur ein Anfang. Ein neuer Bericht von Plastic Oceans und der Brunel University zeigt, dass die wahre Lösung darin besteht, Plastik nur noch in einem geschlossenen Kreislauf mitsamt Recycling zu verwenden.

Ein Ozean aus Plastik

Der indische Ozean. Ein Blauwal-Kalb schwimmt durch das Wasser. Über ihm schwimmt eine gigantische, ölige Plastiksuppe bestehend aus Mikroplastik. Dabei handelt es sich um Partikel, die einst Plastiktüten, Flaschen und andere Materialien bildeten, nun aber von der Sonne in diese kleinsten Teile zersetzt wurden. Dieses plastikverseuchte Wasser wird das Blauwal-Kalb schlucken. Wenn es ausgewachsen ist, bis zu 75.000 Liter jedes Mal, wenn es sein Maul öffnet, um Krill zu essen.

Dies war nur eine von vielen Szenen, die sich den britischen Filmemacher*innen von A Plastic Ocean boten. Die Organisation hinter dem Film, Plastic Oceans, hat sich mit den Wissenschaftler*innen der Brunel University zusammengetan, um einen neuen Bericht über die wissenschaftlichen Grundlagen herauszubringen, auf die sich der Dokumentarfilm stützt.

Dieser stellt fest, dass weltweit pro Jahr nahezu 300 Millionen Tonnen Plastik produziert werden. Das entspricht der Biomasse der gesamten erwachsenen menschlichen Erdbevölkerung. Davon landen jährlich über 8 Millionen Tonnen Plastikmüll direkt in unseren Ozeanen. Die Wissenschaftler*innen sagen voraus, dass sich diese Zahl bis zum Jahr 2025 dramatisch erhöhen wird, da die wirtschaftliche Entwicklung voranschreitet und sich die Erdbevölkerung vergrößert.

Es gibt klare Beweise dafür, dass sich die Plastikverschmutzung durch unsere gesamte Nahrungskette zieht. Laut des Reports haben mehr als 90% der Seevögel Plastik in irgendeiner Form verschluckt. Am unteren Ende der Nahrungskette liegt etwa Plankton. Es mag zwar mikroskopisch klein sein, aber es ist eine wichtige Nahrungsquelle für größere Meereslebewesen, etwa Wale und Fische. Plankton nimmt Mikroplastik auf, dieses wandert durch die Nahrungskette nach oben, bis es schließlich auch bei uns Menschen landet.

Plastikmüll stellt auch eine chemische Bedrohung für die Umwelt dar, denn er enthält Chemikalien, die er dort in die Umgebung abgibt, wo er weggeworfen wird oder letztendlich landet. Die Wissenschaftler*innen der Brunel University kommen zu dem Ergebnis, dass eine weitere Gefahr des Plastiks darin besteht, dass es andere Chemikalien aus Industrie und Agrarwirtschaft aufnimmt, die ebenfalls in die Meere gekippt wurden. Diese Chemikalien sind häufig wasserabweisend, sie sammeln sich also in sehr hoher Konzentration in den Plastikteilen. Plastikreste, die unweit der japanischen Küste gefunden wurden, enthielten giftige Substanzen in einer bis zu millionenfach höheren Konzentration, als im Wasser.

Jo Ruxton, die Regisseurin des Films und britische Exekutivdirektorin der Plastic Oceans Foundation, sagt: „Jetzt, wo wir wissen jetzt, wie schnell Plastik Chemikalien aufnimmt, wenn es im Ozean landet, sollten wir alle Arten von Plastik als schädlich für das Wasser klassifizieren.“

Die Plastik-Pellets, aus denen man andere Plastikprodukte herstellt, sind ebenfalls ernsthaft bedenklich: „Im Moment ist recyceltes Plastik teurer als neu hergestelltes. Eine ganz einfache Gesetzesänderung, etwa eine Steuersenkung bei recycelten Plastikpellets, würde bereits einen signifikanten Unterschied machen“, fügt Jo hinzu.

Ein Film wie A Plastic Ocean ist eine von vielen Möglichkeiten, gegen die Plastikverschmutzung zu kämpfen. Die Filmmacher_innen hoffen, das Bewusstsein der Öffentlichkeit zu stärken und so zu einer Veränderung bei Konsument_innen, Unternehmen und Regierungen zu sorgen. Der Dokumentarfilm und der dazugehörige wissenschaftliche Bericht sollen so vielen Regierungen wie möglich zur Verfügung gestellt werden. So will man die Ansichten der Gesetzgeber verändern und sie davon überzeugen, wie real und dramatisch die Gefahren für die Ozeane, die Umwelt und die menschliche Gesundheit sind, die von Einweg-Plastik ausgehen.

Als Jo Ruxton erstmals auf See fuhr, um die Auswirkungen von Plastik in den Ozeanen zu beobachten, erwartete sie „Inseln von Müll“. Doch die Wahrheit war noch viel schlimmer: „Das, was ich sah, war nicht so, wie ich es mir vorstellte. Ich dachte, man könne ein paar Boote losschicken und all den Müll einsammeln. Doch stattdessen waren unvorstellbare Mengen an Plastik vorzufinden, vermischt mit Plankton. Wir warfen Tag und Nacht unsere Netze aus. Sie waren jedes Mal randvoll mit Plastik.“

Plastic pollution in Sri Lanka - David Jones

Der große Pazifikmüllfleck

Zwischen der Westküste der USA und Japan liegt der sogenannte Great Pacific Garbage Patch, also der große Pazifikmüllfleck. Er ist nur einer von vielen Müllstrudeln auf der ganzen Welt. Er wabert auf der Meeresoberfläche umher und ist ein gigantischer Müllberg der aus zwei Arealen besteht, die in Plastik zu ertrinken drohen – dem Western Garbage Patch und dem Eastern Garbage Patch. Beide entstanden, da sich Müll in den Strömungen der Meere verfing und so in große Strudel gelangte, die durch Windströme, die Erdrotation und Landmasse entstehen.

Für die Plastic Oceans Foundation ist Recycling nur eine Notlösung. Wann immer Plastik recycelt wird, sinkt seine Qualität. Nach zwei oder drei Runden ist das Material unbrauchbar. Jo erklärt: „Natürlich ist Recycling besser, als das Plastik einfach in den Ozean zu werfen, aber der Verzicht auf Plastik ist die beste Alternative.“

Es gibt Möglichkeiten, Plastik von den Ozeanen fernzuhalten, und diese liegen vor allem in unserer Hand: „Menschen treiben Geschäfte an. Die Nachfrage bestimmt das Angebot und wenn wir als Konsument_innen anfangen, andere Dinge zu verlangen, werden sich die Unternehmen uns anpassen müssen, um unseren Bedürfnissen gerecht zu werden. Und wenn wir uns für bestimmte Unternehmen aufgrund der Verpackungen, die sie verwenden, entscheiden, und nicht nur das Produkt, werden andere Unternehmen diesem Beispiel folgen.“

Doch nicht nur als Gemeinschaft der Konsument_innen, auch als Individuen können wir einiges unternehmen. Eine Geschichte, aus der Jo ihre Inspiration zieht, handelt von einem fünfjährigen Mädchen, welches eine besondere Mission hatte. Es verzichtete nicht nur auf Plastikstrohhälme, sondern wies auch Restaurantbesitzer_innen immer wieder darauf hin, warum sie keine Strohhälme aus Plastik verteilen sollten. Stattdessen sollten sie solche aus Papier oder Bambus anbieten.

„Wenn ein kleines Mädchen so aktiv werden kann, können wir alle für einen spürbaren Unterschied sorgen“, sagt Jo.

City to Sea – von der Stadt ins Meer

Bei City to Sea handelt es sich um eine Organisation aus Großbritannien, die auch für ein Ende von Einwegplastik kämpft. Durch Kampagnen erzeugt sie nationale Aufmerksamkeit, mit der sie Unternehmen und andere Umweltaktivist_innen dazu animieren will, kleine Änderungen mit großem Effekt vorzunehmen.

Eine dieser Kampagnen war es, zu versuchen, alle großen Geschäfte in Großbritannien davon zu überzeugen, nicht länger Wattestäbchen mit Plastikstab zu verkaufen, sondern bis zum Ende 2016 auf Alternativen aus Papier umzusteigen. Über 150.000 Leute unterzeichneten die Petition namens #SwitchTheStick und verpflichteten sich, nicht länger Wattestäbchen aus Plastik zu kaufen. Die Gründerin von City to Sea, Natalie Fee, sagt: „Die Geschäfte wurden deutlich darauf hingewiesen, wie groß der Wunsch nach Veränderung in der Öffentlichkeit ist.“

Der Fokus auf dieses einzelne Problem wird dafür sorgen, dass in Großbritannien über 320 Tonnen Einweg-Plastik pro Jahr eingespart werden. Dieses Plastik wäre niemals recycelt worden und ein Großteil von diesen spitzen Stäbchen wäre im Ozean gelandet.

Die Gründerin der Organisation aus Bristol und selbsternannte Green Champion, Natalie, fügt hinzu: „Plastikmüll ist ein gigantisches Problem, aber selbst wenn wir nur kleine Dinge ändern, etwa durch den Verzicht auf Plastiktüten, Wasserflaschen aus Plastik und eben diese Wattestäbchen, ist dies eine gute Möglichkeit, das Problem anzugehen.“

Natalie wurde durch eine TV-Sendung inspiriert, in der man Albatross-Küken sah, die in ihren Nestern verhungerten – mit Mägen voller Plastik: „Ich konnte nicht einfach umschalten und diese Dinge geschehen lassen. Es fühlte sich an, als sehe ich meine eigenen Plastikprodukte in den Mägen von Albatross-Küken tausende Kilometer von meinem Zuhause entfernt. Das fühlte sich unglaublich falsch an. Also entschied ich mich, etwas dagegen zu unternehmen.“

Derzeit liegt der Fokus von City to Sea auf Plastikflaschen, etwa durch die auch in Österreich gestartete Refill Kampagne, die unsere Art, unterwegs Wasser zu trinken, ändern will. Mit der zugehörigen Refill App werden wir ermutigt, immer eine wiederverwendbare Flasche bei uns zu tragen, die wir bei teilnehmenden Cafés, Geschäften und anderen Unternehmen kostenlos mit Leitungswasser auffüllen können. Eine digitale Karte zeigt uns, wo das geht.

Inzwischen gibt es viele Geschäfte, darunter auch unsere Lush Shops in Österreich, die mitmachen. Der Kern ist aber, das Konsumverhalten der Kund*innen zu ändern: „Es geht darum, Tabus zu brechen, damit sich die Menschen nicht komisch dabei fühlen, einen Laden zu betreten und nach Wasser zu fragen. Außerdem schaffen wir so Bewusstsein, genügend zu trinken und immer eine Flasche bei sich zu haben.“

In Großbritannien ist es etwa so, dass lizensierte Geschäfte gesetzlich dazu verpflichtet sind, kostenlos Leitungswasser auszugeben. Doch eine Umfrage zeigt, dass sich 71% der Menschen schlecht dabei fühlen würden, nach Wasser zu fragen und sonst nichts zu kaufen.

Auch die sozialen Medien eignen sich hervorragend, um gegen Einweg-Plastik vorzugehen. City to Sea erhöht mit Hilfe von Videos das Bewusstsein rund um Themen wie die Problematik von Feuchttüchern bis hin zu plastikfreien Perioden.

Für diejenigen, die wirklich etwas ändern wollen, hat Natalie folgenden Rat: „Zu allererst musst du selbst damit aufhören, die Produkte zu kaufen, die du nicht länger in den Regalen der Geschäfte sehen willst. Dann musst du entweder die Zulieferer kontaktieren, einer Kampagne beitreten oder eine eigene ans Laufen bringen.“

„Geschäfte und Fabriken reagieren auf den Druck der Öffentlichkeit, doch dieser muss deutlich und bestens koordiniert sein.“

Da der Beweis erbracht sei, dass Individuen wirklich den Unterschied ausmachen können, seien es laut Natalie die Kund_innen, die die Kraft haben, etwas zu verändern

Fotos: Eigentum von David Jones

„Menschen treiben Geschäfte an. Die Nachfrage bestimmt das Angebot und wenn wir Veränderungen verlangen, müssen die Unternehmen uns anpassen, um unseren Bedürfnissen gerecht zu werden.“ Jo Ruxton, Plastic Oceans Foundation

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