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Mit #radfreude zu einer lebenswerten Stadt

Schließ die Augen und stell dir vor, du fährst mit deinem Fahrrad durch die perfekte Stadt. Breite, von Fußgängern und Autos getrennte Radwege liegen vor dir, du kommst schnell und sorglos voran. Die Ampeln zeigen immer freie Fahrt, du reitest auf einer grünen Welle. Umringt von Bäumen und vorbei an schlendernden Menschen genießt du den Wind auf deinem Gesicht.

 

Doch dann öffnest du die Augen und bemerkst, dass die Realität für Radfahrer in deutschen Städten leider ganz anders aussieht. Schmale, auf die Straße gepinselte Radspuren mitten auf der Straße, wo du dich zwischen parkenden und fahrenden Autos dazwischen schlängeln musst (wenn es denn überhaupt Radwege gibt), holpriges Kopfsteinpflaster, aggressive, unvorsichtige Autofahrer. Es wird gehupt, gedrängelt und nicht selten kommt es zu Verkehrsunfällen. Das ist leider trauriger Alltag, den du mit Sicherheit kennst, wenn du regelmäßig Rad fährst – oder eben darauf verzichtest, weil es dir zu gefährlich ist.

Dafür, dass unsere Städte sich schnell in eine deutlich fahrradfreundlichere Richtung entwickeln, setzt sich der Volksentscheid Fahrrad gemeinsam mit dem Trägerverein Changing Cities e.V. ein. Ersterer wird vor allem BerlinerInnen ein Begriff sein, aber inzwischen ist die Bewegung längst auf ganz Deutschland übergesprungen und fasziniert größere Städte im Allgemeinen.

Das heutige Stadtbild ist oftmals noch deutlich geprägt von der autozentrierten Stadtplanung der 1950er Jahre. Dabei nimmt die Infrastruktur für den Autoverkehr mit rund 60% im Vergleich zu den Verkehrsflächen für Fahrräder mit nur rund 3% unverhältnismäßig viel Raum ein und wird in der Planung massiv bevorzugt. Allerdings ist gerade das Fahrrad ein Verkehrsmittel für alle, es steht Jung und Alt und auch Menschen jeden Einkommens zur Verfügung. Eine zeitgemäße Stadtplanung in einer modernen Stadt kommt um das Fahrrad nicht herum und wird ihm Raum in der Stadt geben. Eine Verbesserung des Radwegenetzes lockt all diejenigen aufs Rad, die sich bislang noch nicht trauen: eine einladende Infrastruktur ist der Schlüssel dazu.

Gerade der Fußverkehr, das Fahrrad und ÖPNV fördern die lebenswerte Stadt für alle. Wie Beispiele aus Städten wie Kopenhagen, Amsterdam, New York oder Barcelona gezeigt haben, führt eine verbesserte Fahrradinfrastruktur zu einer Reduzierung der Unfallzahlen und einer deutlichen Erhöhung des Radverkehrs, insbesondere auch für Frauen, Kinder und Senioren. Positive Begleiterscheinungen sind bessere Luftverhältnisse, verringerter Lärmpegel, ein gesünderer und lebenswerter öffentlicher Raum, von dem letztendlich alle profitieren.

Ziel des Volksentscheides ist es, ein Radgesetz zu verabschieden, um ein sicheres und zusammenhängendes Radnetz mit eigenständigen Radwegen zu fördern, das ein entspanntes Vorankommen für Menschen jeden Alters gewährleistet. Für Berlin wurden insgesamt zehn Ziele formuliert, die den Radverkehr langfristig fördern sollen: Sichere, geschützte und breite Radwege an allen Hauptstraßen, Fahrradstraßen für Radfahrende, genügend Radabstellmöglichkeiten und Radschnellwege gehören dazu.

Die Erreichung dieser Ziele trägt auch dazu bei, den Berufsverkehr zu entlasten und die Sicherheit für Rad- und AutofahrerInnen, sowie FußgängerInnen zu erhöhen. Somit entschärft eine gut ausgebaute Radinfrastruktur Konflikte und trägt dazu bei, dass ein sicheres und zügiges Vorankommen unabhängig der Wahl des Fortbewegungsmittels ermöglicht wird. Steigender Radverkehr aufgrund von verbesserten Möglichkeiten entschärft sowohl die Stau- als auch die Parkplatzproblematik. Wenn mehr Menschen auf das Rad umsteigen, wird Platz geschaffen, der allen zugutekommt. Auf der Stellfläche eines parkenden Autos können bequem 10 Fahrräder Platz finden. Im direkten Vergleich werden beim Transport von 60 Menschen jeweils mit dem Auto 414 m² (86,5%), mit dem Fahrrad 58,1 m² (12,1%) und mit dem Bus für die gleiche Anzahl Menschen nur 6,6 m² (1,4%) Fläche beansprucht.

Ein wachsender Druck aus der Bevölkerung kann dazu beitragen, eine Umsetzung dieser Ziele zu beschleunigen, denn wenn die Entwicklung in dem bisherigen Tempo weitergeht, werden wir erst in 100 Jahren mit guten Radwegen rechnen können. Obwohl für die Umsetzung dieser Ziele Investitionen notwendig sind, führen sie langfristig sogar dazu, dass Geld gespart wird und wir enorm an Lebensqualität gewinnen, sowohl durch die Reduktion giftiger Abgase in unserer Atemluft und der geringeren Lärmbelastung, als auch durch positive Auswirkungen im Gesundheitssystem durch verstärkte Bewegung. Die Kosten für Fahrradwege und deren Unterhaltung sind dabei deutlich günstiger als für Autostraßen. Die Beispiele anderer Städte zeigen, dass es möglich ist, die Fragen sind nur noch: Wenn nicht wir, wer dann? Wenn nicht jetzt, wann dann?

Wir unterstützen diese Ziele, denn die aktuelle Situation ist nicht tragbar und widerspricht einer modernen und nachhaltigen Stadtplanung in wachsenden Städten. Das Fahrrad ist mehr als ein Freizeitgerät, es ist ein wichtiges, ernstzunehmendes Verkehrsmittel, welches zudem unzählige positive Nebenwirkungen erzielt für den Einzelnen, aber auch für die Stadt als Ganzes. Es geht auch nicht darum, Autos gänzlich aus der Stadt zu verbannen, vielmehr sollte das Fahrrad seinen Platz bekommen, um einen Umstieg auf das Rad für jeden zu ermöglichen. Unser Ziel ist es, die Vision einer lebenswerten Stadt für alle zu teilen und das Bewusstsein für dieses Thema voranzutreiben, damit eine nachhaltige Stadtplanung eine Zukunft hat.

 

Verwandle Radfrust in #radfreude

 

Auch du kannst direkt dazu beitragen, dass sich das Bild in deiner Stadt ändert. Werde aktiv und fotografiere Situationen oder Orte in deiner Region, in denen akute Mängel, Behinderungen oder fehlende Infrastruktur für Radfahrer deutlich werden und du dich auf bessere Radwege freust. Poste das Bild bei Instagram oder Twitter mit dem Hashtag #radfreude. Aktiviere vorher die Standortermittlung in deinem Smartphone und erlaube der jeweiligen App Zugriff, dann wird dein Bild automatisch auf einer interaktiven Landkarte vernetzt und zeigt so zusammen mit anderen Posts deutschlandweit, in welchen Regionen die Situation für Radfahrer besonders prekär ist.

Wenn wir auf dieser Karte 500 Bilder sammeln, dann fackeln wir nicht lange und übergeben deine Wünsche für mehr #radfreude öffentlichkeitswirksam an Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt. Wie du dich genau beteiligen kannst und ob aus deinem Kiez schon alle verbesserungswürdigen Orte gepostet wurden, kannst du hier nachsehen.

Du willst noch mehr tun? Gerne doch! Wenn du als RadfahrerIn in der Hauptstadt unterwegs bist und die Nase voll davon hast, als VerkehrsteilnehmerIn zweiter Klasse behandelt und auf der Straße beschimpft zu werden, unterschreibe noch heute die Petition #automacho vom Volksentscheid Fahrrad, um das Radgesetz in Berlin so schnell wie möglich Realität werden zu lassen.

 

In Kooperation mit Volksentscheid Fahrrad und Changing Cities.

Mach mit, für deine Stadt, neu gedacht. Vernetze dich mit Aktiven aus deiner Region und sei dabei für eine gerechtere Verteilung des öffentlichen Raumes und eine lebenswerte Stadt für alle.

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