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ARTIKEL

Vegane Aktivist*innen enthüllen Schlachthof-Geheimnisse

Weltweit sind die Aktivist*innen der Save Bewegung Zeug*innen bei der Ankunft von Tieren in Schlachthöfen.

Die Lush Times Reporterin, Katie Dancey-Downs, reiste kürzlich nach Kanada, um Toronto Pig Save zu treffen, wo die internationale Save Bewegung begann. Dort bekam sie das Leiden der Tiere in einigen der Schlachthöfe mit, und hörte von einer Petition, einen der Schlachthöfe in Toronto schließen zu lassen.

Warnung: Dieser Artikel beschreibt grafische Szenen von Gewalt an Tieren.

Ein Fenster zum Schlachthaus

An einem heißen Sommertag in Toronto, Kanada, bleibt eines der Fenster bei Ryding-Regency Meat Packers versehentlich offen, dies gibt den Aktivist*innen der Save Bewegung die Chance heimlich zu filmen, was drinnen passiert.

Das erste, was man beim Betrachten des Filmmaterials bemerkt, ist das Blut. Es ist so lebendig und dick, es ist fast schon rosa. Es sammelt sich auf dem Boden und spritzt die Wände hoch. Eine Kuh krümmt und wälzt sich am Boden, ihr Hals aufgeschlitzt, während Blut aus der Wunde fließt. Sie bewegt sich immer noch.

Eine andere Kuh hängt von oben an einem Hebezeug, die Kehle durchgeschnitten, während ihr Blut herabregnet. Sie krümmt sich, schlägt um sich und scheint bei Bewusstsein zu sein. Trotzdem wird Fleisch aus ihrem Körper geschnitten. Und wieder, noch mehr Blut.

Währenddessen hört man die widerlichen Hintergrundgeräusche von Maschinen und Männern, die noch mehr Kühe heranführen.

Len Goldberg, ein Aktivist der Save Bewegung, hat dieses Material zusammen mit anderen Aktivist*innen aufgenommen. Er behauptet, dass die hochgezogene Kuh im Video noch lebte. Das kanadische Gesetz besagt, dass ein Tier, bevor es geschlachtet wird, „auf eine Weise bewusstlos gemacht werden sollte, die sicherstellt, dass es vor dem Tod nicht wieder zu Bewusstsein kommt“.

"In diesem Video sieht man Tiere bei vollem Bewusstsein, die auseinandergerissen werden", sagt Len.

"Man sieht diese Tiere, wie sie sich quälen und um sich schlagen, Tiere, deren Augen weit geöffnet sind, deren Beine sich vor Wahnsinn hin und her bewegen, die auf die Tötungsanlage gehievt wurden und nun all ihre Freunde und ihre Familie sterben sehen."

Er sagt, dass Tierschutzgesetze niemals genug sind und dass die einzige Antwort, gegen solche Grausamkeiten zu protestieren, darin besteht, vegan zu werden.

Toronto Cow Save hat eine Petition gestartet, in der die kanadische Regierung aufgefordert wird, die Bundeslizenz von Ryding-Regency zu entziehen und das Unternehmen und seinen Schlachtbetrieb endgültig einzustellen. Die Petition hat seit ihrem Start vor vier Wochen über 95.000 Unterschriften erreicht.

Die Save-Bewegung

Vor einem anderen Schlachthaus in Toronto kommt der erste Lastwagen des Tages an. Im Inneren befinden sich etwa 200 Schweine, die auf drei Ebenen gestapelt sind. In Toronto sind es -12 ° C und der Dampf vom Atem der Schweine strömt aus dem LKW. Ihre Schnauzen sind vor lauter Frostbeulen schon lila.

Aktivist*innen von Toronto Pig Save legen ihre Plakate ab und rennen zum Lastwagen. Sie nehmen Augenkontakt mit den Tieren auf. Einige entschuldigen sich für das, was die Tiere erleben werden, andere machen Fotos von den Bedingungen, unter denen die Tiere sich befinden und einige bieten den Schweinen Wasser an.

James, einer der Aktivist*innen, sagt, dass die Schweine ungefähr sechs Monate alt sind und dass bis zu 50 Lastwagen pro Tag alleine an diesem Schlachthof ankommen und 10.000 Schweine zum Schlachten bringen.

Toronto Pig Save hat eine spezielle Vereinbarung mit bestimmten Schlachthöfen getroffen, dass die Lkw-Fahrer einige Minuten anhalten, damit die Aktivist*innen Mahnwachen abhalten können. Dabei werden die Tierleben anerkannt, die kurz vor dem Verlust stehen. Einige Fahrer respektieren diese inoffizielle Vereinbarung, andere fahren direkt durch, während Aktivisten versuchen, die Lastwagen anzuhalten.

Mittlerweile gibt es weltweit über 300 Save Movements, aber mit der Toronto Pig Save Bewegung hat alles begonnen.

Im Jahr 2010 ging Anita Krajnc (zu dieser Zeit bereits Veganerin und Aktivistin) mit ihrem Hund spazieren, als sie einen Schweinetransporter auf einen Schlachthof zusteuern sah. Sie gründete eine Gruppe, und gemeinsam beschlossen sie, sich mit dem Thema auseinanderzusetzen, indem sie Mahnwachen für die Tiere abhielten. Die Bewegung, erklärt Anita, wird angetrieben durch Liebe. Jetzt hält Toronto Pig Save drei Mahnwachen pro Woche für Schweine, Kühe und Hühner ab.

Vor dem Schlachthaus Ryding-Regency, in dem Len Goldberg das verdeckte Filmmaterial aufgenommen hat, sprechen wir mit Anita über die Save-Bewegung. Unser Gespräch verläuft unter vielen Unterbrechungen, da die Lastwagen den ganzen Morgen über stetig ankommen.

„Unsere Hauptstrategie ist es, Zeugnis zu geben. Das heißt, wenn ein Tier leidet, haben wir die Wahl. Wir können entweder wegschauen oder uns nähern und versuchen zu helfen“, sagt Anita.

Sie möchte die Vorgehensweisen auf der ganzen Welt verändern, damit jeder Zeugnis ablegen kann, eine Handlung, die von den Worten von Leo Tolstoi inspiriert ist. Dieser schrieb: „Wenn das Leiden einer anderen Kreatur Schmerzen verursacht, unterwerfe dich nicht dem anfänglichen Wunsch vor dem Leidenden zu fliehen, aber im Gegenteil, komm näher zu dem Leidenden, so nahe du kannst, und versuche ihm zu helfen.“

Die Mahnwachen haben aber auch noch einen anderen Zweck. Während die Lastwagen mit Schweinen, Kühen und Hühnern vor den Schlachthöfen anhalten, machen Aktivist*innen Fotos vom Inneren der Lastwagen, um das Leid der Tiere zu dokumentieren.

Anita gibt alles für diese Bewegung. Sie ist eine Vollzeitaktivistin und ist knapp einer Gefängnisstrafe entgangen, als sie verhaftet wurde, weil sie Schweinen auf dem Weg zum Schlachten Wasser gegeben hatte – da diese Schweine angeblich Privateigentum waren. Die Anklage wurde schließlich abgewiesen und Anita kam frei. Die Aktivist*innen geben Schweinen trotz allem bis heute noch Wasser.

Anitas Traum war es, dass sich die Bewegung auf der ganzen Welt ausbreitet, und das ist ihr nun auch gelungen. Sie sagt jedoch, dass dies nur der Anfang sein sollte: „Wir wollen, dass sich Hunderttausende von Save-Gruppen gründen und wir wollen, dass die Menschen in jedem Schlachthaus auf der ganzen Welt Mahnwachen halten.“

Als der erste Lastwagen mit Kühen ankommt, denke ich, dass ich emotional vorbereitet bin. Bin ich aber nicht. Dies ist das erste Mal, dass ich Tiere auf dem Weg zum Schlachten gesehen habe. Ich erwartete nicht, dass die Kühe auf zwei Ebenen im Lastwagen gestapelt werden, ich erwartete nicht, dass sie mich direkt ansehen, und ich erwartete nicht, dass ich die Angst und Panik in ihren Augen sehen könnte und sie mich um Bekräftigung bitten würden. Ich frage mich, wie Anita das dreimal pro Woche schafft und dabei trotzdem so stark bleibt.

Der Bewegung beitreten

Wenn es darum geht, wie die Welt mit Tieren umgeht, besteht der erste Schritt für die Save-Bewegung darin, dass jeder einen veganen Lebensstil annimmt und Menschen die Tierzucht-Industrie boykottieren. Über den Veganismus hinaus möchte Anita, dass die Menschen sich auch zum Aktivismus verpflichten.

"Es gibt kein Gefühl das dem nahekommt, wie das, auf einen Schlachthof zu gehen und die Opfer von Angesicht zu Angesicht zu sehen. Es verändert dich für immer“, sagt sie.

Sie erklärt, dass das Abhalten von Mahnwachen Tierrechte zur wichtigsten Priorität in ihrem Leben gemacht hat. Anita bittet jeden, sich einer örtlichen Save-Gruppe anzuschließen oder eine eigene einzurichten.

„Wenn man die Opfer sieht, möchte man alles tun, um ihnen zu helfen. Das Beste, was man tun kann, ist, sich uns anzuschließen und selbst Zeug*in zu werden”, sagt sie.

Die Art und Weise, wie Anita die Welt sieht, gibt einem Hoffnung. Das liegt an dem kollektiven Willen der Menschheit, Gutes zu tun und sich als kollektive Kraft zusammenzuschließen. In der Zwischenzeit warten Tierschützer*innen weltweit auf das Ergebnis der Petition von Toronto Cow Save.

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