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We The Bathers: Der Dokumentarfilm

Der Film We The Bathers wirft einen intimen Blick auf unsere tiefe Verbindung mit Wasser. Im Zentrum: Wasser ist Leben und Wasser weckt Emotionen.

Der Dokumentarfilm lädt dich in unterschiedliche Badezimmer auf der ganzen Welt ein und zeigt, wie Baderituale Identitäten schaffen. In diesem Artikel beleuchten wir, wie der Film entstand und was für die Regisseurin Phoebe Arnstein dabei besonders prägend war.

Wir sind Menschen, Wasser ist für uns lebensnotwendig. Doch unsere Beziehung zum Wasser geht weiter und sitzt tiefer. Wasser hat für uns viele Bedeutungen: es bietet Platz, sich zu entspannen und zu regenerieren, es ist ein Ort für Zeremonien und die Philosophie. In ihrer Dokumentation verwendet Phoebe Arnstein Wasser als eine Art Portal, durch das wir Zugang in das Seelenleben der Protagonist_innen erhalten. We The Bathers streift durch verschiedene Kulturen und Kontinente und liefert uns intime Geschichten aus Japan, Italien, Großbritannien und den USA.

Phoebe hatte von Beginn an großes Interesse an dem Filmprojekt, da sie selbst Wasser liebt und es als Medium ansieht, mit lokalen Kulturen in Kontakt zu treten. Sie erinnert sich: „In meinem Kopf reiste ich sofort um die Welt und träumte von all den unterschiedlichen Umständen, in denen Baden eine Rolle spielt.“

Gemeinsam mit der Kamerafrau Amelia Hazlerigg und dem Rest ihres Teams arbeitete Phoebe an einem Kamerasystem, mit dem die Crew schnell arbeiten konnte, welches es aber den Protagonist_innen gleichzeitig ermöglicht, sich schnell vor der Kamera zu öffnen und mitzuteilen, welche Bedeutungen Baden in ihrem Leben hat. Also arbeitete man in einer sogenannten Skeleton Crew. Dies bedeutet, dass nur so viele Leute wie nötig Teil des Filmteams sind. Trotz dieser intimen Atmosphäre waren Phoebe und ihr Team dennoch überrascht zu sehen, wie bewegend, sensibel und persönlich einige der Geschichten wurden.

Der Film beginnt mit der rührenden Geschichte von zwei alten Freunden, die sich im Dampfbad treffen, um gemeinsam ihre Trauer zu verarbeiten. Das Badezimmer ist für die beiden der Ort, an dem sie ihre alte Liebe, den Verlust, Kampf und Freiheit wieder aufkommen lassen und neu durchleben. Phoebe sagt:

„Erst beim zweiten Drehtag in den Dampfbädern in Canning Town bemerkte ich, dass der Film eine unglaubliche emotionale Komponente beinhalten könnte. Davor hätte ich mir das niemals erträumt. Es war wunderschön zu sehen, wie zwei alte heterosexuelle Männer sich so zart umeinander kümmern können.“

„Direkt nach Ende des Drehs sprach ich noch einmal mit Ronnie und erfuhr, dass die Leute im Dampfbad eine emotionale und physische Lücke in seinem Leben füllen, die entstand, als er seiner Frau hilflos beim langsamen Sterben zusehen musste. Nachdem ich Ronnie kennenlernte war mir klar, dass Wasser in der Lage ist, ungeahnte Dinge in Bewegung zu setzen.“

We The Bathers betrachtet Wasser als ein Privileg und gerade das Baden als Luxus, denn viele Menschen auf der Welt haben nicht immer (oder nie) Zugang zu sauberem Trinkwasser. Eine Mutter der Navajo in den USA spricht über die Schwierigkeiten, die sie hat, wenn es darum geht, ihre Tochter zu baden, ohne ausreichend Wasser zur Verfügung zu haben (da sie in einem Gebiet lebt, dessen Wasserquellen durch Uran-Abbau vergiftet wurden). Laura, eine Frau aus Skid Row, berichtet von dem Frieden, den sie fühlt, wenn sie einen ReFresh Spot besucht. Dabei handelt es sich um Hygienezentren für Obdachlose. Phoebe sagt:

„Baden ist ein Privileg. Tina, die junge Frau der Navajo Nation, die ihr Leben lang mit Wasserknappheit zu kämpfen hat, kann da ein Lied von singen. Der Film reißt auch andere gesellschaftliche Themen an, darunter Rassismus, Depressionen, Obdachlosigkeit, Immigration und Prostitution. Für alle, die mit ihren Lebensumständen zu kämpfen haben, schien baden ein elementarer Teil der Problembewältigung zu sein. Dieser Film öffnete mir die Augen, wie sehr wir mit Wasser verbunden sind und welch wichtige Rolle es in unseren Leben – über das Trinken von Wasser hinaus – einnimmt.“

Ob eine junge Mutter, die in den Gezeitentümpeln von Margate ihre postnatalen Depressionen verarbeitet, oder Jayson, der in den heißen Quellen vor Los Angeles badet, um Körper und Geist in Einklang zu bringen – der Film offenbart die heilenden Kräfte von Wasser. Einige der Geschichten waren besonders schwer zu filmen, obwohl die Crew leidenschaftlich und neugierig arbeitete. Phoebe erinnert sich:

„Der Nachmittag mit Oki, der in einem Migrationszentrum in Sizilien lebt und aus Nigeria stammt, war besonders schwierig. Nachdem ich mir Okis traumatische Vergangenheit angehört hatte, schienen meine Fragen zu seiner Verbindung zu Wasser plötzlich nichtig und klein. Seine Stimme war schwach und zitternd, ich fühlte mich wie ein Eindringling in seine private Welt.“

„Unser Interview wurde abrupt vom Glockenklang des Abendgottesdienstes aus der Kirche um die Eckt unterbrochen. Als die Gesänge unseren Raum durchfluteten, fühlte es sich so an, als würden sie die Wunden heilen, die ich unwillentlich bei Oki wieder neu entfacht hatte. Mir wurde bewusst, dass ich keinen Fehler gemacht hatte. Die Tür des Badezimmers dieses Mannes zu öffnen erlaubte mir, einfach seiner Geschichte zu lauschen.“

We The Bathers nimmt dich mit auf eine Reise durch eine emotionale Landschaft, in der du lernst, auf welche Arten Wasser reinigen, besänftigen und uns mit etwas Neuem verbinden kann.

Die Dokumentation feierte am 20. Juni 2019 auf der Beak Street in London Premiere. Du kannst den Film jederzeit hier anschauen. Was ist deine persönliche Bade-Geschichte? Teile den Film und deine Geschichte unter #WeTheBathers.

Wir weisen darauf hin, dass We The Bathers Menschen in privaten Momenten zeigt. Daher gibt es einige intime Szenen, in denen Menschen teilweise oder komplett nackt zu sehen sind.

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