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#WeTheBathers: Eine Reise durch Traurigkeit und Freude

Bis Anfang zwanzig war ich überzeugter Duschfan. Während meine Mutter und meine Schwester ihre langen Bäder genossen, stand ich als Teenager lieber unter dem heißen Wasserstrahl, der wie Regen auf meine Haut trommelte. Mit der Zeit veränderte sich meine Liebe zum Duschen; auf einmal war es reine Notwendigkeit. Ich verwendete so viel Zeit und Mühe darauf, krampfhaft meine Karriere voranzutreiben, mit einer Angststörung zurechtzukommen und mein Leben als Erwachsene und die dazugehörige Verantwortung zu stemmen, dass ich kaum einen Gedanken an Selbstfürsorge oder Entspannung verschwendete. Ihr merkt schon – ich bin nicht der gelassenste Mensch.

Jahre später passierte dann etwas, das mich aus meinen gewohnten Bahnen warf: Mein Hund starb. Für einige mag das das vielleicht unbedeutend klingen (für viele andere wiederum nicht), aber erschütterte es in meinen Grundfesten. Ich hatte schon früher alles verzehrenden Kummer erlebt – meine Mutter war einige Jahre zuvor bei einem Unfall gestorben, und auch meine geliebten Großeltern waren schon lange tot. Dieser Verlust jedoch brachte mich dazu, meine Trauer wie noch nie zuvor offen zur Schau zu stellen. 

Ich erinnere mich so deutlich an diese Zeit, weil der Tod unseres Familienhundes – obwohl nicht der erste Verlust in meinem Leben – ein Ende mit sich brachte, mit dem ich nie gerechnet hätte. Während ich um einen Gefährten trauerte, den ich vergöttert hatte, wurde mir gleichzeitig klar, dass ich auch etwas anderes loslassen musste: ein weiteres, letztes Stück meiner Mutter, die unseren Zwergschnauzer geliebt hatte wie ihr eigenes Kind. An diesem Tag habe ich selbst wie ein Kind geweint. Ich konnte nicht aufhören zu schluchzen: bei der Arbeit im Büro, in der Mittagspause im Park, beim Warten auf einen verspäteten Zug im brechend vollen Bahnhof Euston und während der gesamten zweistündigen Heimreise. Und das, obwohl ich als Erwachsene noch nie zuvor in der Öffentlichkeit geweint hatte.

Als ich völlig untröstlich nach Hause kam, schlug mein Freund vor, ich solle mir ein Bad einlassen. Also tat ich das. Ich tauchte in das warme Wasser ein, das sich mit meinen Tränen vermischte, und gestattete mir, mich dieses Mal ruhig meinen Gefühlen hinzugeben. Zu sagen, dass in diesem Moment all meine Sorgen wie weggespült waren, wäre das reinste Klischee, und es würde dem Augenblick auch nicht gerecht werden. Doch an diesem Abend spürte ich genau zur richtigen Zeit die Ruhe des heißen Bades, die sich sanft ausbreitete. 

Auch heute bevorzuge ich eher die Dusche – wobei das Baden ein Hilfsmittel geworden ist, auf das ich mich in Zeiten der Traurigkeit oder Unruhe immer verlassen kann. Wie vielen anderen war mir immer bewusst, welch tröstende Wirkung ein wohliges Bad haben kann. Aber ich bin jetzt um eine weitere Erfahrung schlauer: die schlichte Ruhe des Badens hat etwas unglaublich Machtvolles. Mein hektisches Hirn kommt selten dazu, abzuschalten, aber wenn ich das Wasser einlasse, das Licht dimme und in die Wanne steige, überkommt mich eine Gelassenheit, die ich manchmal selbst im Schlaf nicht finde.     

Tatsächlich hat eine Studie im Jahr 2018 ergeben, dass ein regelmäßiges Bad am Nachmittag die Stimmung von Menschen mit Depression heben kann. Wissenschaftlich gesehen kann der Temperaturwechsel den Biorhythmus des Körpers stärken (das Muster, das unser Schlaf- und Essverhalten bestimmt) – und dieser Biorhythmus kann bei jenen gestört sein, die an Depression leiden. Gleichzeitig kann die Temperaturveränderung beim Verlassen der Wanne für besseren Schlaf sorgen.

Im Laufe der Jahre, die seit meiner Offenbarung in der Badewanne vergangen sind, habe ich erkannt, dass Baden mehr als nur emotionale Therapie sein kann. Inzwischen genieße ich es, Öle auszuprobieren, die mir weichere Haut verleihen, und Düfte zu entdecken, die gleichzeitig guttun und gut riechen. Die Farbe des Wassers mit einer Badebombe zu verändern, macht mir genauso viel Freude, wie meine Augen mit Lidschatten zu verschönern. Es macht einfach Spaß. An Make-up und Beauty-Produkten hatte ich schon immer Freude. Dass man auch beim Baden verspielt sein kann, habe ich erst später gemerkt – und ich liebe es. Schließlich ist für viele von uns die früheste Erinnerung ans Baden, wie wir als Kinder in der Wanne sitzen, umgeben von buntem Spielzeug. 

Heute gehe ich auf die dreißig zu, und meine Badewanne – die mir inzwischen geradezu heilig ist – hat mich schon wieder überrascht. Mein erster Neffe hat das Licht der Welt erblickt, und mit ihm kam eine unvergleichliche Art der Liebe – ein völlig neues Rädchen in einer Familie, die davor immer irgendwie unrund lief. Ich werde nie vergessen, wie ich meiner Schwester, der frischgebackenen Mutter, dabei half, ihn zum ersten Mal zu baden. In seinem winzigen Gesichtchen sah ich, wie wohl er sich fühlte, als das warme Wasser über seine zarte Haut rann, wie sehr ihn das ungewohnte Gefühl in seinen Bann zog. Und wieder wurde mir klar, dass das Baden so viel mehr ist als nur ein Mittel zur Körperpflege. 

Der Akt des Badens wird auf der ganzen Welt als etwas Besonderes und Spirituelles geschätzt. Meine bescheidene Badewanne zu Hause mag im Vergleich zu einem wundervoll gefliesten türkischen Hammam oder einem idyllischen japanischen Onsen verblassen – aber ich finde, dass ich im Laufe der Jahre meine eigene, ganz persönliche Badekultur entwickelt habe. Vielleicht gehöre ich ja doch zum „Team Badewanne“.

Erzähl uns deine Badegeschichte unter #WeTheBathers  

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