ARTIKEL

Wie das Baden in der Natur meine Routine in der Wanne veränderte

Niellah Arboine erzählt dir, was Baden in der Natur für sie bedeutet und welche Lehren sie daraus für ihren Alltag im Badezimmer gezogen hat.

Irgendetwas reizt mich am Baden im Freien – so ganz umgeben von üppig blühenden Pflanzen unter der prallen Sonne. Das liebe ich einfach. Doch obwohl ich auf einer Insel lebe, kann ich nicht so oft ich will ins kühle Nass an der frischen Luft springen. Dies verbindet mich wohl mit vielen anderen Menschen in Großbritannien. Es gibt einige wundervolle Orte zum Schwimmen, doch leider ist es oft ungemütlich und kalt. Meine Badewanne ist also der einzige verlässliche Platz für ein wenig wasserbasierte Zeit für mich.

Das Baden in der Natur ist für mich eine Form der Meditation, ähnlich der japanischen Tradition des Shinrin-Yoku. Dies beschreibt das Baden in der Atmosphäre des Waldes. Ich fühle mich zentriert und fest verankert mit der Welt. Das klare, frische Wasser strömt über meine Haut und spült Anspannung, Angst, Sorge und Negativität hinfort. Bade ich im Freien, bin ich nackt und verwundbar, ich habe kein Telefon bei mir und bin ganz meinen Gedanken überlassen. Es erinnert mich daran, dass ich Teil der Natur bin und nur ein kleiner Teil einer riesigen Welt. Ich bin ein winziger Punkt in einem unendlichen Universum.

Überall auf der Welt finden sich wunderbare Orte zum Baden in der Natur. Glücklicherweise durfte ich einige von ihnen bereisen, von denen die magischsten für immer in meiner Erinnerung bleiben werden. Dort konnte ich meine Sorgen vergessen und mich voll und ganz dem Wasser hingeben. Inzwischen gestalte ich meine Reisen rund ums Wasser, um all die nassen Wunder der Natur zu entdecken. Es ist toll, ein neues Ritual oder eine neue Tradition kennen zu lernen. Man erkennt, dass die Menschen seit Jahrhunderten auf der ganzen Welt großen Wert aufs Baden legen. Seitdem ich das Baden in der Natur für mich entdeckt habe, reiste ich bereits per Taxischiff über den Titicaca-See in Bolivien, kletterte auf weichen Felsen des Dunns River Wasserfalls in Jamaika und schaute den Delfinen an der Küste von Aberystwyth in Wales beim Planschen zu. Eines der wundervollsten Badeerlebnisse war aber mein Besuch der heißen Quellen von Cacheuta in Argentinien.

In den Anden gibt es einige heiße Quellen und vor allem die unterschiedlichen Spas, die sich an den Ufern des Flusses Mendoza angesiedelt haben, sind seit den 1900ern bekannt. Als ich im warmen Wasser der Quellen so dahintrieb, musste ich an ein heißes Bad daheim mitten im tiefsten Winter denken. Die Luft um mich herum war bitterkalt, das Wasser hingegen sehr heiß. Dieser Kontrast war ein Fest für die Sinne. Dampf stieg von meinem Körper auf, während das Wasser mich wärmte. In heißem Wasser zu sitzen, umgeben von den schneebedeckten Anden, war gewissermaßen surreal und machte mich sehr ruhig und entspannt.

Doch beim Baden in der Natur geht es nicht nur um Meditation, es hat selbstverständlich auch seine praktische Seite des Reinigens. In Jamaika, wo ich vor kurzem war, konnte ich dies besonders gut erkennen. Das Land gilt als „Land von Holz und Wasser“, denn es hat über 100 Flüsse und mindestens 15 Wasserfälle, sowie unzählige wundervolle Strände. Die Anwohner_innen baden dementsprechend häufig in den Flüssen und Seen, die von den Quellen der Berge gespeist werden.

Ich liebe nicht nur natürliche Gewässer, sondern auch die Bade-Utensilien, die sich in der Flora finden. Die Akee-Frucht – die Nationalfrucht Jamaikas – kann wie eine Seife verwendet werden. In ungereiftem Zustand kann man sie zusammenquetschen und so seine Kleidung reinigen (ähnlich wie mit Kastanien). Meine Favoritin aber ist eine reinigende Maske aus Schlamm. Während meines Besuches reiste ich zum „Blue Hole“ in Ocho Rios im Norden der Insel. Durch das Gestein im Wasser werden die kleinen Teiche und Flüsse in ein übernatürliches Blau getaucht. Ich tauchte unter einem Wasserfall durch und gelangte in eine Höhle, in der mich ein natürliches Schlammbad erwartete. Ich befeuchtete dazu einfach die Wände der Höhle, wodurch sich ein roter Ton bildete, den ich als Feuchtigkeit spendende Maske verwendete.

Da ich nicht jeden Tag in der Natur baden kann, versuche ich, die meditativen Erlebnisse in mein Badezimmer zu übertragen. Denn ich lebe in London. In einer solch riesigen Stadt mit ungeheurer Luftverschmutzung und unzähligen Menschen kann man sich schnell eingeengt fühlen. Umgeben von all den grauen Gebäuden und dem Beton fühle ich mich oft getrennt von der Natur. Ein Bad wirkt da schon fast heilend auf mich. Ich schalte mein Telefon aus und sinke in die Wanne, während das warme Wasser über mich strömt. Um mich herum stehen meine Pflanzen – Farne und Sukkulenten – die mich zurück in die wilde Natur transportieren, mich von meinen Reisen träumen lassen und mir Frieden und Ruhe schenken. Aber sobald sich mir die Gelegenheit bietet, in die Natur zu entkommen, nutze ich sie!

Bist du inspiriert? Dann teile deine Story mit uns über #WeTheBathers

 

Illustration: Noa Snir

Kommentare (0)
0 Kommentare